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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 165 - 166

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Moritz Gottlieb
Date
1903-03-01
Page
Seite 165 - 166 (sequence 3)
Language
German
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165 Prof. Dr. Henryk von Struve: Moritz Gottlieb. 166 2) Das Bild hat, wie man gleich auf den ersten Blick sieht nichts -. W- V •^v.V.'.'fcfV*'' einen weitern, wahrhaft historischen Hintergrund. Anstatt des bisherigen überwiegend genrehaften Charakters seiner Werke entwickeln sich jetzt in seiner lebhaften Phantasie Ideen zu grossen historischen Kompositionen. Das beweist eine ganze Reihe leider unvollendet gebliebener Bilder und Skizzen, wie: „Kasimir der Grosse nimmt die Juden in Polen auf", „Richard Löwenherz schützt ein jüdisches Mädchen vor Angreifern", „Uriel Acosta widerruft .seine Lehren in der Synagoge", „Herodias" u. s. w. Es fanden sich auch Entwürfe zu Bildern aus der polnischen und der allgemeinen Geschichte, wie z. B. „Die Ritter vom Kreuz bitten Sigismund August um Frieden", „Die Preussen huldigen König Sigismund I. auf dem Ringplatz zu Krakau", „Eine Szene aus, Hebbels Demetrius", „Faust und Gretchen" u. a. Ein angefangenes Bild von grösseren Dimensionen behandelt einen rein christlichen Vorwurf, doch nicht im christlichen Sinne. Ich meine das Bild „Jesus vor den Richtern", in dem die Züge des zanksüchtigen Sektierers, der hartnäckig bei seiner Meinung verharrt, entschieden gegen die christliche Auffassung streitet..... Ungemein tief und edel erfasst ist ein anderes, ebenfalls unvollendetes Bild, „Christus predigt in Kapernaum". Das Bild stellt einen Prediger dar, der in der Synagoge zum Volke spricht.2) Die i> ^«Srv ■ ■#.. r 4 .fcw' iCS Zuhörer sind überwiegend nur in allgemeinen Umrissen skizziert, dagegen ist die Gestalt des Predigers bereits mit der grösstenSorgfalt vollendet und kennzeichnet unzweifelhaft den Höhepunkt von Gottlieb's Schaffen .... Das Bild hat trotz des christlichen Namens nichts Christliches. Der Künstler hat hier den Typus eines Priesters des Alten Bundes geschaffen, voll erhabener Würde und majestätischen Pathos. Der Anblick dieses Priesters, der im Bewusstsein seines Ranges Gott preist und zu ihm Gebete für sich und sein auserwähltes Volk emporsendet, erschüttert den Zuschauer bis ins Innerste und legt beredtes Zeugnis ab für das tiefe religiöse Empfinden des Künstlers. Diese Gestalt allein, abgesehen von allen anderen Schöpfungen, wäre imstande, Gottlieb eine dauernde Erinnerung in der Geschichte unser er Kunst zu sichern. Ausserdem hat Gottlieb noch eine Reihe einzelner Studien, Charakterköpfe und Porträts ausgeführt, die sich durch grosse Naturwahrheit, Leben und tiefes Eindringen in die innere Geschichte der dargestellten Persönlichkeiten auszeichnen. Anfang 1879 kam Gottlieb aus Italien heim und siedelte sich in Krakau an, um daselbt die oben genannten Vorwürfe,besonders jene aus der polnischen Geschichte, unter Matejko's Auge auszuführen. Leider zerron- ^: ■42&&jril^^^'j/- * ' ti "* **i > *?. c> f. : M. GOTTLIEB. SHYLOCK UND JESSICA. christliches und wurde nach dem Tode des Künstlers von dem Katalog isten fälschlich mit dem besagten Namen belegt. (A. d. R.)

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