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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 167 - 168

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Moritz Gottlieb
Date
1903-03-01
Page
Seite 167 - 168 (sequence 4)
Language
German
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167 Prof. Dr. Henryk vonStruve: Moritz Gottlieb. 168 nen all seine edlen Pläne in Nichts. Am 16. Juli 1879 raffte ihn der Tod hin. Gottlieb, seit der frühen Kinderzeit zart und schwächlich, fiel einem tückischen Kehlkopfleiden zum Opfer, das ihn nach zweiwöchentlicher Dauer ins Grab stürzte. Trotz seiner grossen Jugend und seiner Stammesverschiedenheit hatte Gottlieb durch seinen ungewöhnlich edlen Charakter, durch die Schlichtheit und Wahrhaftigkeit seines Betragens, durch seine Liebe zu allem, was schön und erhaben war, binnen kurzer Zeit die aufrichtige Sympathie und Hochachtung der verschiedensten Gesellschaftskreise sich erworben. Die aufrichtige Wehmut seiner zahlreichen Freunde und Kollegen, wie auch aller, denen das Gedeihen der vaterländischen Kunst am Herzen liegt, begleitet sein Gedächtnis bis auf den heutigen Tag. DIE FRAU IM JUEDISCHEN SPRICHWORT.*) Von Binjamin Segel. Die nachfolgenden Sprichwörter gewähren ein anschauliches Bild von der Stellung der Frau innerhalb der jüdischen Gesellschaft und von der Meinung, die die Männerwelt von dem Wert und der Bedeutung des Weibes, von dessen Vorzügen und Fehlern hat. Ich habe auch diese Sprichwörter möglichst wortgetreu ins Hochdeutsche übertragen und auch alle Derbheiten stehen lassen, die ja für die volkstümliche Denk- und Ausdrucksweise so charakteristisch sind. — Betrachtet man die „SpruchWeisheit" der verschiedenen Völker, so findet man zuweilen unmittelbar nebeneinander Nachdruck verboten, zwei Sprichwörter über dasselbe Thema, die einander vollständig widersprechen. Das eine ist nämlich die Abstraktion der einen Gruppe von Erscheinungen im Leben, das andere einer anderen, jener entgegengesetzten, und die „Volksphilosophie" giebt sich nur selten die Mühe, beide auszugleichen und aus ihnen eine Synthese zu ziehen. Im Bewusstsein des Volkes wohnen nämlich die härtesten gedanklichen Gegensätze oft leicht bei einander. Man nennt das „Kompatibilität sich ausschliessender Vorstellungen im Volksbewusstsein." A. Mann Ist die Frau eine Königin, ist der Mann ein König. * •* •* Die Frau stellt den Mann auf die Füsse und wirft ihn von den Füssen. * * * Die Frau macht aus dem Manne, was sie will. * * * Die Frau macht aus dem Manne einen Herrn, oder einen Narren. * ■* * Wie eine Frau ist, solch einen Mann hat sie. * * *- Dem ärgsten Hund fällt oft der beste Bissen zu. Sinn: Der schlimmste Mann bekommt die beste Frau. — Die beiden Sprichwörter widersprechen übrigens einander nicht, ersteres will nämlich nur besagen, dass die Frau den Mann nach eigenem Muster umbildet. * * * Ein Haus ohne Herrin gleicht einem Wagen ohne Räder. *) Vergleiche Heft 2 von „Ost und West", „Der Jude und seine Umwelt im jüdischen Sprichwort". und Weib. Treue findet man nur bei der eigenen Frau. * * ■* Das Ohr gieb jedermann, die Hand nur dem Freunde, die Lippen nur der Frau. •* * -* Vor der eigenen Frau hat man kein Geheimnis. * * * Die Frau ist ein Hund, der Mann eine Katze. Der Hund ist das Symbol der Treue, die Katze das Gegenteil. -* * •* Wer seine Frau liebt, liebt auch ihre Angehörigen. •* * * Wen Gott zum Narren machen will, dem nimmt er die Frau auf die alten Jahre. * * * Will die Frau an dem Manne Rache nehmen, so stirbt sie — und macht ihn zum Narren. * *- * Ein Mann ohne Frau gleicht einem Lulav ohne Ethrog. Ueber den Lulav (Palmenzweig) im Feststrauss wird bekanntlich der Segen gesprochen, aber das

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