Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- Bibel und Babel
- Date
- 1903-03-01
- Page
- Seite 157 - 158 (sequence 3)
- Language
- German
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157 Prof. Dr. Julius Oppert: Bibel und Babel. 158 sind mit der Tageseinteilung zu 24 Stunden, zu 60 Minuten, zu 60 Sekunden babylonische Institutionen, und die einzigen, an denen die französische Revolution nicht hat rütteln können. Bei den Babyloniern war der 7. 14., 21.,' 28. Tag des Mondmonats ein Busstag. Da aber der Monat nicht 28, sondern 29V2 Tage hat, so sind die Mondesphasen garnicht mit der Woche von sieben Tagen gleichzustellen. Die siebentägige Woche hat ihren Ursprung in den sieben Planeten und mit den Mondphasen garnichts gemein. Die grosse Idee des israelitischen Gesetzgebers war aber, die Ruhetage unabhängig zu machen von jeder astrologischen Einmischung, und diese Idee ist dem chaldäischen Wesen geradezu zuwider. Es kommt der ganze Nachweis von dem sogenannten babylonischen Ursprung der jüdischen Kultur auf folgendes hinaus: Wir können beweisen, dass die Chaldäer die Nasen mitten im Gesichte hatten, die Juden auch; also stammen die Nasen der Juden aus Babylon. Was aber den himmelweiten Abstand der babylonischen und jüdischen Kultur kennzeichnet, ist die Kluft, die sich in den Werken der Civilisation beider Gesittungen kundgiebt. Mit Recht bemerkt ein protestantischer Schüler des Herrn Delitzsch, es genügen, um diesen Abstand zu kennzeichnen, einige in der lutherischen Bibel fettgedruckte Stellen des Alten Testaments. Kehren wir nun zurück zu Babel und reden wir mehr von Babel, als „Bibel und Babel" dies getan. Denn die ganze Vorlesung ist eigentlich eine Wiedergabe dessen, was seit fünfzig Jahren nicht über Babel, sondern über Ninive gesagt worden ist, und zwar in vielen, ebenfalls populären Vorträgen. Was Babel betrifft, so finden wir eine Heliographie- Aufnahme von der gewaltigen Stadt. Da Herr Delitzsch jetzt freilich viel zu kurze Zeit auf den Ruinen von Babylon gewesen ist, hat er wohl nicht die Gelegenheit gehabt, den Punkt zu entdecken, von dem aus diese entzückende Ansicht genommen wurde. Wir sehen einen Etagenturm, wo eine Pyramide stand, die Xerxes zerstörte und Alexander wieder aufzubauen die Absicht hatte; durch seinen plötzlichen Tod wurde er daran verhindert. Weniger phantastisch ist wohl die Abbildung der Wohnung der Mitglieder der deutschen Expedition in Babel, die aber nicht wie es „Babel und Bibel" beabsichtigt, zur Auslegung der Bibel etwas beiträgt. Wir wünschen auf jeden Fall der deutschen Expedition den Erfolg, der ihr bisher versagt war. Wie sehr würden uns ernste Ergebnisse freuen! Was bis jetzt seit so langen Jahren gefunden ist, lässt sich nicht vergleichen mit dem, was die englischen, französischen, türkischen und amerikanischen Erforscher Mesopotamiens geleistet, die eine reiche Fülle von tausenden von Schriftdokumenten der Wissenschaft wiedergegeben haben. Wenn Herr Delitzsch diese Expedition als eine königlich preussische hinstellen will, so können wir nicht umhin, zu bemerken, dass sie weniger vorbereitet Europa verliess, als es König Friedrich Wilhelm IV. gewesen wäre, wenn ihn die Orientgesellschaft nach Babylon hätte senden können. Als ich nach dreijähriger Abwesenheit — infolge der französischen Expedition nach Mesopotamien — heimkehrte, wurde ich durch Alexander von Humboldt im August 1856 dem König vorgestellt, der mich nach Sanssouci berufen hatte. Der König war sehr genau unterrichtet, und als ich ihm die trigonometrisch aufgenommenen Wälle der babylonischen Königstadt vorlegte, sagte er nur: „Hören Sie, der Ker Porter zeichnet Ihnen die Sache ganz anders." Ich erwiderte: „Königliche Majestät, er hat sich auch geirrt." Der König sagte lächelnd: „Nun, das ist ja auch möglich." Dieser selbe Plan, der 1860 veröffentlicht worden war, wurde mir von einem Mitglied der deutschen Mission im Jahre 1901 als eine grosse Entdeckungmitgeteiltund bemerkt, dass die Umwallung diejenige des gesamten Babylon gewesen sei, obwohl sie nur wenige Hektare umschliesst! Meine (?) Angabe von der grossen Ausdehnung Babylons sei unrichtig. Ich konnte entgegnen, dass ich mich mit meinem Irrtum in sehr guter Gesellschaft befinde. Herodot, der selbst in Babylon gewesen, gebe sie nach unserer Rechnung aut 500 Quadratkilometer an; Diodor, Dio Cassius*) gäben ähnliche Zahlen, und Aristoteles, der doch etwas davon wissen musste, ist derselben Ansicht. Der grosse Philosoph fragt nämlich, was eine Stadt sei. Es sei nicht allein ein Raum, den man mit einer Mauer umgiebt, sonst könnte man den so eingezäunten Pelopones als eine Stadt bezeichnen. Eine solche Stadt sei Babylon. Die ungeheure Umwallung von beinahe hundert Kilometern schloss nicht allein bewohnte Städte, sondern auch weite Felder ein, deren Ertrag es der Riesenstadt möglich machte, eine lange Belagerung siegreich auszuhalten. Alles dieses wusste aber Friedrich Wilhelm IV., König von Preussen. Was bleibt nun von Babel in der Bibel? Am Sonntag, den 27. August 587 (kein anderes Datum!) 2) Und viele Andere: Nach dem römischen Geschichtsschreiber, den Tzetzes citiert, muss diese Ausdehnung noch zu Trajans Zeit den Eroberern imponiert haben.