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Ost und West · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. Seite 159 - 160

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Bibel und Babel
Date
1903-03-01
Page
Seite 159 - 160 (sequence 4)
Language
German
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159 Prof. Dr. Julius Oppert: Bibel und Babel. 160 vor Christi Geburt hatten die Babylonier den salomonischen Tempel von Jerusalem verbrannt; ein grosser Teil der Juden wurde nach Babel überführt, wo sie bis zur Freigabe durch Cyrus (538 vor Christo) blieben. Was nun von den alten Schriftwerken Israels noch gerettet war, wurde nach der Rückkehr gesammelt, zu einem Ganzen überarbeitet und so entstand der heutige Pentateuch und die übrigen vorexilischen Bücher des Alten Testaments in ihrer jetzigen Form. Vieles in diesen Büchern ist sehr alt; es ist abgeschmackt, behaupten zu wollen, dass nichts von alledem, was wir besitzen, hinaufgehen könne bis in die Zeit von Moses, der lesen und schreiben konnte, und der um die Mitte des vierten Jahrtausends, nach dem braven Pyramiden-Cheops, der auch hatte lesen und schreiben können, ernsten Studien in Aegypten obgelegen war. Vor dem Exil musste der ägyptische Einfluss den chaldäischen aufwiegen: nach der Rückkehr aus Babylon überwog der Persiens und' Babels, bis auf die neuere Zeit hinab, wo der babylonische Talmud entstand und gerade in dieser Gegend die jüdischen Hochschulen blühten. Nun tritt genau das Entgegengesetzte ein: einen grossen Teil der technischen Ausdrücke in den juristischen Keilinschriften können wir nur aus dem Talmud erklären, der sie den Chaldäern entlehnt hatte! Das aber, was im Pentateuch entlehnt und wirklich und allein babylonisch ist, hat Herr Delitzsch nicht berührt. Es ist die sogenannte gemachte Chronologie der Genesis, und dieses chaldaische Geschenk4) vom Alter der Welt, das die 4) Für die vorsündflutliche Zeit nahmen die Babylonier 86 400 (60X60X24, die Zahl der Sekunden am Tage) an, zu der sie als Zeitcoefficienten 60 Monate oder 5 Jahre beifügten: so erhielten sie 432 000 Jahre für die zehn vorsündflutlichen Könige. Die Juden begnügten sich mit 86 400 Wochen oder 1656 Sonnenjahren; die Inder, weniger bescheiden, machten aus den 5 Jahren 5000 Jahre, und bestimmen den Jug auf 432 000 000. Für die heroische Zeit nach der Sündflut statuierten die Chaldäer 12 Sothisperioden zu 1460 Jahren gleich 17 520 Jahre oder 292 Jahre (60 Jahre) und 12Lunar- Juden von 471, 180 auf 2009, 2309 Jahre reduzierten, ist die schlimmste Gabe, die Chaldäa unserer Zeit geben konnte. Von der Bibel-Babel oder Babel-Bibel bleibt also sehr wenig übrig; denn was auf unsere Geschlechter überkam, die Wochentage und die Einteilung des Tages, davon steht eben gar nichts in der Bibel. Wer nun diese hochtrabenden und bausbäckigen Phrasen liest, muss wirklich glauben, dass Herr Friedrich Delitzsch Ninive und Babylon entdeckt und die Keilschrift entziffert hat. Mit der Entzifferung und der Entdeckung der Texte hat er jedoch wenig zu thun gehabt. Andere haben dies gethari. Genannt wird von ihm nur einer seiner unbedeutendsten Schüler; die Namen aller derer, ohne deren Entdeckungen er ja nicht einmal das Titelblatt seines Büchleins hätte schreiben können, werden von ihm auf das sorgfältigste verschwiegen. Redlich ist dies nicht und gescheit noch weniger: er kann doch andere nicht verhindern, nicht zu schweigen. Aber diese grosse Bescheidenheit betreffs der Verdienste anderer liegt in der Natur der Sache: der Schüler, der wenig gefunden, ist nicht selten der natürliche Feind eines glücklicheren Meisters. Perioden zu 1805 Jahren, gleich 21 660 Jahre oder 361 Sössen. Diese 39 180 Jahre oder 653 Sössen, wurden von den Juden auf ein Sechzigstel reduciert, und so geben uns die im hebräischen Texte der Genesis unverfälschst auf uns gekommenen Zahlen 292 Jahre für die Zeit zwischen der Sündflut und die Geburt Abrahams, und 361 Jahre von da ab bis auf das Ende der Genesis, das ist bis auf den Tod Josephs. Die Zahl 653 findet sich wieder im klassischen Altertum und im Orient bis nach Indien. Die Urheber der heutigen jüdischen Zeitrechnung haben sich in. der profanen Chronologie um 400 Jahre geirrt; nach den Zahlen der Genesis dürfte sie nicht beginnen mit dem Montag, 7. Octoberjulianisch, oder 7, September gregorianisch des Jahres 3761 vor der üblichen Zeitrechnung, sondern 4161 vor derselben. Es ist ein grosser Fortschritt in den Anschauungen, dass man alles dieses feststellen darf, ohne das man die Inquisition und ihre Schrecknisse zu fürchten hat. So ihr euch aber ganz vermählt T?L\t mir, fo Tollt ihr zu mir kommen« Hm GHeinftock werdet ihr gezahlt HU ihr Gerechten und Ihr •frommen» (m. Und Winzer werden ums Gefträuch Bald fchwarmen, witternd edlen GRein, Und Süsse wird in mir und euch Und 6lanz in allen Fnmmeln fein. Breslau. Hrthur Silbergleit.

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