Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 3 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Januar 1903)
- Article
- Ismael Gentz
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 93 - 94 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2583875-2583904-2583907-2586701--02525-2586776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
93 Nathanjah Sahuwi: Ismael Gentz. 04 achtziger Jahren begonnene Porträtsammlung berühmter Männer, die heute fast 170 Nummern aufweist. Es sind ganz flüchtig hingeworfene Studien, oft schon in einer Stunde zu Ende geführt, aber frappierend nicht nur in der Porträtähnlichkeit, sondern vor allem in den von Jahr zu Jahr mit steigernder Sicherheit herausgeholten persönlichsten Zügen. Ganz besonders charakteristisch für diese Studiengruppe ist der feine, semitische Kopf von Prof. Dr. Julius Rodenberg (Levy), dem langjährigen Herausgeber der „Deutschen Rundschau." Die stark ausgeprägte Vorliebe und Begabung für die individuelle Färbung geben seinen Studien auch während seiner grossen Orientreise, 1889 bis 1890, die Richtung. Während sein "Vater im Freien zeichnete und Karawansereien, Kameelstudien skizzierte und mit immer vertierterem Beobachtungssinne die tausendfältigen Nüanzierungen in den Farbtönen der Orientluft und die sich nur dem geweihten Auge erschliessenden intimsten Reize der tripolitanischen Landschaft in sich einsog, um sie später zu verarbeiten — (die Ausführung war ihm freilich nicht vergönnt, da er, zu Tode erkrankt, nach Haus geschafft werden musste) —, verkroch sich Ismael in den engen Judenquartieren und belauschte jüdische Art, besonders in den dunklen Synagogen. Das war natürlich kein leichtes Arbeiten, denn die Judenschaft hatte durchaus nichts dafür übrig, sich selbst und ihr Heiligtum als interessanten Vorwurf für einen christ- ISMAEL GENTZ. ZEICHNUNG. Max Liebermann. ISMAEL GENTZ. ZEICHNUNG. Julius Rodenberg (Levy), liehen Maler herzugeben. Und so flogen ihm denn, als seine Absichten bekannt wurden, die Steine nur so hageldicht um den Kopf, wenn er sich im Quartier sehen liess. Gentz sah sich schliesslich genötigt, die Hilfe des Gouverneurs anzurufen. So erhielt denn der Oberrabbiner den Befehl, dem Künstler eine Bewachung von drei Männern mitzugeben, die in Gemeinschaft mit einem arabischen, Diener dem Maler einen Weg bahnen mussten. Aber die Synagogen standen leer. Die Kinder waren für mehrere Tage dem Unterricht ferngeblieben, der im Tempel erteilt wurde, da es damals noch an eigenen Lehrstuben fehlte. So musste denn Gentz seine Studien abbrechen. Später erhielt er vom Oberrabbiner durch dessen hübsche Buben eine iUifforderung, die Schulen wieder zu besuchen; aber die Abreise war bereits beschlossen und konnte nicht mehr hinausgeschoben werden. Die meisten der in dieser Zeitschrift reproduzierten Blätter stammen aus der Zeit dieser Reise. Sie zeigen den ausserordentlich scharfen Blick Gentzens für spezifisches Eigenwesen. Besonders interessant ist der Vergleich zwischen der ganz rohen Skizze eines sitzenden tripolitanischen Juden und der Rückenansicht seines russischen Stammgenossen, den das Geschick — zur Abwechslung einmal nach Tripolis! — verschlagen hatte. Von den Aeusserlichkeiten der Stellung und Gewandung ganz abgesehen: wie fein ist die Unruhe und Beweglichkeit,