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Ost und West · 1903-01-01 · Heft 2 (Januar 1903) · p. Seite 91 - 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 2 (Januar 1903)
Article
Ismael Gentz
Date
1903-01-01
Page
Seite 91 - 92 (sequence 4)
Language
German
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9i Nathanjah Sahuwi: Ismael Gentz. 92 ISMAEL GENTZ. STUDIE. Gemälde: „Einzug des deutschen Kronprinzen in Jerusalem", das sich im Besitz der Berliner Nationalgalerie befindet. Aus den siebziger Jahren stammt seine „Gedächtnisfeier finden Rabbi Isaac Barschischat", zu dem Motiv und Modelle eine Reise durch Algier brachte. An der Stirnseite stehen dichtgedrängt vor einem cypressenumwachsenen Grabgewölbe betende Juden, zu denen sich aus der Ferne immer neue Scharen von Andächtigen gesellen. Im Vordergrunde reichgeschmückte Frauen mit langen, brennenden Lichtern, und in einer Seitennische zur Linken jüdische Rabbiner und Schriftgelehrte, die zu Ehren des Toten einen Talmudtraktat studieren — das Ganze in geschickter Gliederung, voll schlichter Anmut und zarter, landschaftlicher Stimmung. Hier, wie in den meisten Bildern, sind in der Komposition die etwas schematischen, akademischen Regeln der Harmonie der einzelnen Teile befolgt, wie denn Wilhelm Gentz, ein getreuer Schüler GlejTes und Coutures in Paris, niemals die Grazie in Form und Linie verlor und alleweil sein höchstes Ziel in der „idealen Schönheit" erblickte, der alle Ecken und Härten in Form und Bewegung geopfert wurden. Freilich ohne dass jemals die Eigenart des Motivs verwischt wurde. — Die Entwicklung der modernen Kunst vom verklärenden Idealismus zum Realismus, von der reinen Schönheit zum Charakteristischen hin spiegelt sich auch in der künstlerischen Gegensätzlichkeit zwischen Vater und Sohn wieder. Vorzugsweise soweit es sich um des Vaters ältere Bilder handelte. Denn in späteren Jahren zahlte auch er der neuen Kunstanschauung seinen Tribut. Ismael Gentz hat ebenfalls einen grossen Teil seiner künstlerischen Stoffe dem Orient entlehnt. Schon in früher Jugend durfte er im Atelier seines Vaters nach egyptischen Stillleben zeichnen, Arabergestalten aus den Bildern des Meisters kopieren und später an den Modellen des Vaters studieren. Bei dem unsteten Leben, zu dem Wilhelm Gentz seine malerische Vorliebe zwang, kam auch Ismael schon in jüngeren Jahren weit in der Welt herum und lernte Menschen und Länder kennen und in seinem Skizzenbuche seine Beobachtungen festhalten. Dabei lockten ihn vorzugsweise Judengestalten, die dem Jüngling durch ihre charakteristischen Linien imponierten und ihn zur Nachbildung reizten. Wir besitzen eine Reihe seiner frühesten Skizzen, die er bei einer Karlsbadreise aufnahm und die ihm zwar das Lob der Kunstgenossen seines Vaters einbrachten, auf der andern Seite aber eine Denunziation bei den Polizeibehörden wegen Belästigung. Schon in diesen flüchtigen Proben erkennen wir den scharf ausgeprägten Sinn für spezifische Charaktereigenschaften, die bei aller formalen Halbreife auffallend prägnant herausgearbeitet sind. Ende der 70er Jahre darf er seinen Vater auf einer interessanten Künstlerfahrt durch Tirol, Oberitalien, Südfrankreich nach Algier begleiten, wo er mit Feuereifer den drängenden Reichtum an Motiven, Charakterköpfen arabischen Typs, auch Juden, landschaftlichen Vorlagen und Architektur auszuwerten suchte. Ein Teil dieser Studienköpfe ist später in Georg Ebers' „Egypten in Wort und Bild" aufgenommen worden, zu dem Ismaels Vater eine grosse Anzahl von Darstellungen aus dem altegyptischen Leben, aus der neuen Zeit und landschaftlicher Vorwürfe — künstlerisch und ethnologisch gleich wertvoll — beigesteuert hatte. Freilich ist Ismael Gentz nicht in dem umfassenden Sinne Orientmaler wie sein Vater. Während Wilhelm es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, dass sein Gesamtwerk zugleich einen Gesamtüberblick über den Süd- und Ostrahmen des Mittelmeeres bieten sollte, interessierten den jüngeren Gentz die individuellen, differenzierenden und aussondernden Eigenheiten des Menschen, wo immer er sie finden mochte. Diesem Grundzuge seiner künstlerischen Stoffauslese entstammt auch eine bereits in den

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