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Ost und West · 1903-01-01 · Heft 2 (Januar 1903) · p. Seite 77 - 78

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Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 2 (Januar 1903)
Article
Forderung und Forderung der Wissenschaft des Judentums
Date
1903-01-01
Page
Seite 77 - 78 (sequence 3)
Language
German
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77 Dr. med. Theodor Zlocisti: Forderung und Förderung der Wissenschaft des Judentums. 78 — nicht aber in jenem beschränkten Sinne, in welchem es nur die Religion der Juden bedeutet". Gewiss hat es — und konnte es — in der Auffassung unserer Altvorderen einen Unterschied zwischen Religion und Nationalität nicht geben, weil es sich nicht um Religion schlechtweg, d. h. um das Verhältnis von Mensch zu Gott, sondern um jüdische Religion, d. h. um die Stellungder J u d e n im sozialen Leben und Gotterkennen handelte. Aber heut gilt es erst wieder die abgesprengten Gebiete für das Judentum zu retten. Der „mosaischen Konfession" gegenüber bedarf es wieder der Betonung der jüdischen Nationalität, damit wir wieder unser alle Kräfte und Triebe und Strebungen und Hoffnungen umspannendes altes Judentum erobern. Zu diesem aber muss unsere Sehnsucht fliegen, wollen wir nicht zerbröckeln und vergehen! Darum wird der Ruf nach der Wissenschaft des Judentums erst 'da tausendfältiges Echo finden, wohin die unermüdliche Arbeit der jüdischen Renaissance- Bewegung dringt. Denn auch wo das letzte Ziel der neuen Bewegung noch auf Widerstand stösst, neuer Antrieb zu jüdischem Leben, neue Begeisterung und freudiger Stolz werden allerwärts geweckt. Erst mit dem Beginne der Alleinherrschaft des Judentums in uns werden alle Bedürfnisse empfunden werden, und in erster Reihe das Verlangen nach der jüdischen Wissenschaft. Ursache und. Wirkung und ihre Verknüpfung, bei der die ISMAEL GRNTZ. Fragment aus einer Radierung „Religionslehrer". Wirkung wieder zur Ursache wird, werden ihr Spiel beginnen, und ein~rechter Humus wird wieder mit den Samenkörnern reifer Frucht als Aussaat' beschickt werden können. Dann — und ich glaube, dieser Fortschritt geht in Siebenmeilenstiefeln — wird die jüdische Gemeinde nicht mehr nur ein Verwaltungskörper sein, sondern die Zusammenfassung aller jüdischen Aufgaben und Pflichten und ihrer Erfüllung bedeuten. Die erschreckende Zahl jüdischer SpezialVereine — die heut noch so dringend wichtig sind — ist ein schreiender Vorwurf gegen unsere Gemeinden. Sie alle werden in die Wesenssubstanz der jüdischen Gemeinde eingeschmolzen werden müssen. Wie hoch dabei zur Durchführung der idealen Pflichten auch die Steuerquote angesetzt werden müsste, sie würde niemals die Höhe unsererBeitragssummen für die zahlreichen Vereine erreichen. Mit der Zusammenfassung und Eingliederung der Wohltätigkeitsvereine wird bereits der Anfang gemacht. . Aber zuerst muss wieder zur Hauptaufgabe der Gemeinden die Sorge für das geistige Wohl der Mitglieder gemacht werden. Was hat man an die Stelle des Beth-Hamidrasch gesetzt? Geschichtsvereine und neuerdings auch noch den in seinen Zielen trefflichen Verein für die Pflege der W. d. J. Hier muss Wandel geschaffen werden. Alle die Vereine, die nur der Pflichtvergessenheit der Gemeinden ihr Entstehen ver-

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