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Ost und West · 1903-01-01 · Heft 1 (Januar 1903) · p. Seite 45 - 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
3 (1903)
Issue
Heft 1 (Januar 1903)
Article
Leopold Pilichowski
Date
1903-01-01
Page
Seite 45 - 46 (sequence 3)
Language
German
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45 David Frischmann: Leopold Pilichowski. 46 Er malte damals Porträts, und diese waren schon damals besonders ausgezeichnet durch Feinheit der Zeichnung und des Ausdrucks. Sie nannten ihn den modernen Clouet und rieten ihm, sich ganz dem Porträt zu widmen. Aber ihn beschäftigte schon damals ganz was Anderes, und zwar: die Vibration des nächtlichen Lichts; die nächtlich beleuchteten Pariser Boulevards; das Flimmern des nächtlichen Lichts in dem Gewisser der Seine; die verhungerten Pariser Miserables, die von der Strasse aus durchs Fenster in die leuchtenden Wonnen einer Confiserie hineinblicken; ein bei der Nachtlampe arbeitendes Mädchen „Vor dem Examen", im Hintergrunde die Mutter, die aber mittlerweile eingeschlafen ist. Vorläufig alles noch technische Kunststückchen, ohne weiteres dramatisches Vertiefen. Freilich spielen dabei auch mit hinein Eindrücke und Reminiszenzen aus Lodzer sozialem Elend ins Pariserische übersetzt. Er hatte sogar in gewissem Sinne bei all' diesen Sachen sein eigenes Wetter, seine eigene Luft. Kenner meinten damals, dass seine Wiedergabe der Nachtlicht- Vibrationen auf streng wissenschaftlicher Basis beruhe und dass er sogar ein spezielles Talent besitze, die Nacht zu beobachten und da gaben sie ihm die Spitznamen: Nachtschwärmer, Nachtwächter oder Nachteule. Und nun sollte er sich, dem Wunsche der Herren Kenner gemäss, auch spezialisieren. L. PILICHOWSKI „ATTAH W'CHARTANU" L.PILICHOWSKI BILDNIS Ich kann mir denken,- wie meinem Pilichowski dabei zu Mute war, ihm, der schon von vornherein die Ansicht hartnäckig verteidigte, dass der Maler eigentlich alles, was ihn zur Arbeit anregt, malen müsse. Die Kunst ist am Ende doch nicht eine Heilkunde oder eine Rechtswissenschaft, bei denen es eine Art Schillersche Teilung der Erde giebt, sodass der Eine sich das menschliche Auge, der Andere das Ohr, die Nase zur Ausbeute nimmt, oder der Eine sich den Taschendieb, der Andere den Halsabschneider, den Mordbrenner, den Direktor einer Leipziger Bank' zur Spezialität aneignet. Pilichowski sollte, dem Rate der Freunde gemäss, sich ganz besonders für die Nacht ausbilden. Aber schon aus Trotz allein begann er wieder, die Nächte durchzuschlafen und am Tage zu arbeiten. Er schuf damals seine „Schliessung des Luxemburger Gartens in Paris". Das Bild zeigt uns den Garten in dem Moment, als der Trommelschläger die Menge auffordert, den Garten und die dort herrschende süsse Abenddämmerung zu verlassen. Ein Haufen Kinder schliesst sich dem Trommler an, und sie setzen sich, mit Spielzeugen ausgerüstet, verschiedenartig zur Wehr und scheinen zu glauben, dass sie wirklich eine Kompagnie Soldaten bilden. Andere Figuren: Studenten, Mädchen, verschiedene Gleichgiltige und ein Greis in erster Linie — ach, war ja auch er einst so den Soldaten nachgerannt; lang ist es her — sehen dieser Szene zu. Das Bild ist vorzüglich gemalt, hat viel Stimmung, so dass man gleichsam die Abenddämmerung empfindet, weist viel Leben, Bewegung, Verve auf und besitzt endlich auch einen feinen Humor. Der Künstler, vor der Hand noch etwas schüchtern, lässt schon hier etwas von seinem künftigen Werden verspüren. Die Munizipalität in Versailles, wo das Bild seiner Zeit ausgestellt war, wollte dasselbe für ihre Sammlungen ankaufen,

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