Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Berliner Judentaufen
- Date
- 1902-12-01
- Page
- Seite 817 - 818 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'$17 Dr. N. Samter: Berliner Judeataufen. 818 P. P. RUBENS. GEFANGENNAHME bIMSONS. schlecht im Preise; es galt für altfränkisch, und was aus der Mode ist, findet in den Augen der Damea .keine Gnade. Zwar die schönste unter diesen Salondamen, Henriette Herz, die schönste Frau Berlins, gewann -es über sich, einen Grafen, der um ihre Hand anhielt, abzuweisen, aber nur, weil sie ihre alte Mutter durch «einen Religionswechsel nicht kränken mochte. Ais •dieses Hindernis nicht mehr bestand, gab sie dem Drängen ihres Freundes Schleiermacher nach und itrat zum Christentum über. Rahel Levin war eine geistig hochstehende Frau: •ein Verehrer nannte sie „das grössteWeib auf Erden'* »und Goethe die einzige in Berlin, mit der er gern umgegangen sei. Der Abfall vom Judentum fiel ihr nicht schwer, denn schon im März 1795, als 25jähriges Mädchen, schrieb sie an David Veit, sie betrachte es als das grösste Unglück, als Jüdin geboren zu;sein. Als ihre bevorstehende Vermählung mit Varnhagen v. Ense die Taufe zur Notwendigkeit inachte, verhandelten die Brautleute in ihren Briefen in kühlem, geschäftsmässigem Tone darüber. Nach ihrem Uebertritt schrieb sie einem Freunde, der im Begriffe stand, das Judentum zu verlassen: „Sie haben gar keine Ursache, in dem Scheine des Geburtsglaubens bleiben zu wollen; Sie müssen sich auch äusserlich zu der grossen Klasse bekennen, mit deren Sitten, Meinungen, Bildung, Ueberzeugung Sie. eins sind.44 Dennoch stellte sie sich, als nach den Befreiungskriegen übertriebene Betonung des Deutschtums antisemitische Strömungen hervorrief, mit ganzem Herzen auf die Seite ihres Volkes und feuerte auch ihre jüdischen Freunde an, sich der Glaubensgenossen anzunehmen. Eine gläubige Christin ist Rahel niemals geworden; sie besuchte keine Kirche, und ihr Christentum bestand in einer gewissen Schwärmerei für die Person Jesu, den sie Freund und Bruder nannte. Die Geschwister Sarah und Marianne Meyer,