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Ost und West · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. Seite 685 - 686

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Samuel Hirszenberg
Date
1902-10-01
Page
Seite 685 - 686 (sequence 7)
Language
German
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685 . Samuel Hirszenberg. 686 eine Stunde reinsten Glückes, in der er diesen Begeisterungsruf aus den Herzen jener jüdischen Jünglinge hörte, teurer für ihn als alle sonstigen Ehren, die er hätte empfangen können. Die polnische Jury, die nicht das Recht hatte, zu verweigern, dass das Bild nach der grossen Pariser Ausstellung von 1900 geschickt werde, da der Maler mit einer empfangenen Medaille hors de concours gestellt war, schützte ungenügende Grösse vor, und nur den eifrigsten Bemühungen seiner Freunde gelang es, dass Hirszenberg sein Bild endlich nach Paris abgehen lassen konnte. Dort wartete seiner eine neue Enttäuschung, in schlechteste Beleuchtung,gestellt, verlor das Bild seinen ganzen LichtefTekt und konnte nicht nach Verdienst gewürdigt werden. Und als man später sich in München sowohl wie in Berlin weigerte, das Bild auszustellen, das Werk, an dem er so viele Jahre hindurch* gearbeitet, das er für einen Appell an die Menschheit bestimmt hatte, packte ihn die Enttäuschung so heftig, dass er, von einer Nervenkrankheit befallen, das Krankenlager aufsuchen musste. Vielleicht hätte er sich nie wieder ganz erholt, wenn er nicht in seiner Frau, einer Christin, die er zum Judentum übertreten zu sehen die Freude hatte, eine Pflegerin und Trösterin gefunden hätte. - Sie wusste ihn zu ermutigen und zu überzeugen, dass er für sein Volk gearbeitet hatte, und dass sein Werk nicht unfruchtbar bleiben könnte. Sie gab seinem niedergedrückten Herzen die Hoffnung wieder, so dass er heute kraftvoll wieder dasteht, besser für den Kampf gerüstet als ie. Mit neuem Eifer machte er sich wieder an die Arbeit und brachte von einer italienischen Jahresreise eine Reibe Studien und Bilder heim, aus denen man in Capiri aufgenommene Seestücke, ländliche Szenen, hier und da autgenommene Skizzen erwähnen muss, die bemerkenswert sind durch ihre Reichhaltigkeit, ihr Kolorit , und die Poesie, die der Künstler in alle seine Werke hineinzulegen weiss, und die zeigen, dass, wenn der Maler auch das jüdische Leben in seiner Kunst bevorzugt, er doch alles trefflich wiederzugeben weiss, was ihn in der Natur berührt, alles, was schön ist, alles, was eine Seele hat. Als letztes hat der Maler in Lodz soeben sein jüngstes Bild ausgestellt, »In der Dämmerung" betitelt, welches zu den besten seiner Werke zählen wird. In einer armseligen, alten Synagoge sitzt ein Greis; durch das hohe Fenster fällt langsam der Abend und senkt seine Schatten und seine Melancholie über Wesen und Dinge. Ganz in seine Lektüre versenkt, achtet der Greis bei dem Licht einer brennenden Kerze, die er neben sich hält, dessen nicht, er fährt fort, in dem alten Buche, den weisen Gesetzen zu lesen, während neben ihm ein Jüngling aufmerksam zuhört. Die ganze Wirkung wird durch das Licht erzielt, das die beiden Gesichter erhellt und alles andere im Dunkel lässt, ihnen einen Ausdruck so intensiven Lebens giebt, dass es bis an Täuschung heranreicht. Zu erwähnen ist noch das Porträt der Frau des Künstlers. Sie ist ganz im Schatten gehalten, nur ihre Hand ist beleuchtet. Es wäre unmöglich, den Zauber S. HIRSZENBERG. Jüdischer Friedhof. Kunstverlag „Phönix", Berlin.

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