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Ost und West · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. Seite 597 - 598

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Lesser Ury's Landschaften
Date
1902-09-01
Page
Seite 597 - 598 (sequence 7)
Language
German
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597 G. Kutna: Lesser Ury's Landschaften. 598 „Ich weiss nicht, was in mir vorgegangen ist, als ich das malte." Links eine hohe, schlanke Birke. Spärliche Flammen prasseln noch hinauf aus dem zerstiebenden Geäste; daneben volle, brausende Flammen, von mehreren Bäumen zu einem Flammenlaub zusammenlohend; dann wieder einer und ein letzter, den die Flammen zu Boden zwingen, dass er sterbe. Unter ihnen ist ein kleines, junges Bäumchen, das überschreit alle in seinem gepeitschten Weh. Sein schlanker Leib ist glutrot blutend, es biegt sich krampfhaft in seiner Qual, schreit zur Erde hinab nach Kühlung, nach Rettung in den mütterlichen Schoss, und nichts rettet seine Jugend. Die Flammen zerren es hinauf, sengen und schlingen, hinauf zu Sonne und Glutentod. All sein Jammern wird vergeblich sein, nun giebt es kein Erbarmen. Der Sommer hat geglüht, Tag für Tag, und zehrte und sog ihnen den Saft, Tropfen für Tropfen; nun ist's Sterbenszeit. Die Würze ist bin, der Saft hinweggesogen, und bleich und tot sollen sie in den Winter hineinstarren. Und das Bäumchen will nicht sterben; ohne Grün, ohne Säuseln, ohne das Schlummerlied seiner Blätter soll es den Todesschlaf thun, wenn dieser Nachmittag es getötet. Dagegen schreit es, darum windet es sich; es hat noch nicht sterben gelernt, und doch wird es sterben. Das sind die Kämpfe des Todes in der Natur, die LESSER URY. Berlin. LESSER URY. Berlin. stillen sich dann dem Auge des Künstlers, und nun eröffnen sich ihm die Kämpfe um Sieg und Schönheit; Kämpfe der Farben unter einander — die Reize der Gegensätze der formalen Kunst — und der Farbe mit der Linie. Der Gardasee spült leise seine Wellen am gebuchteten Ufer, violett, blau und bläulich, grün und rosenrot blinkt es daraus mit allem Spiel dieser Farben. Daraus steigt in seinem Adel der Monte Baldo und überschaut seine Thäler. Und die Farben kommen heran und schmiegen sich weich an seine Grösse, ranken ihre Zartheit um seine gewaltigen Glieder. Doch plötzlich machen sie Halt vor der Linienkraft und Farbengewalt seiner Höhe. Dort oben ist alles übergössen vom Licht, das von innen herausglutet, alles beherrschend an Höhe und Leuchtkraft. Erschreckt wollen sie zurück, zittern in ihrer Schönheit und werden lieblicher im Zittern. Er aber singt sein Abendgluten hinaus und achtet nicht derer, die ihm nahen gewollt. Und doch sind diese Kinder der Farbe von so endlos schillerndem Schmelz, dass sie der Erinnerung zu einem Farbentraum werden, der den erwachenden Sinnen entschlüpft ist: „Wenn ich das kopieren sollte, ich wüsste nicht, wie man das macht." Der Kampf kommt näher seiner Lösung, aber schriller Klang hallt unvermutet hinein in die neue Friedenswelt. Frühlingsfrisch und minnefroh

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