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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 559 - 560

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Josef und Zohárath
Date
1902-08-01
Page
Seite 559 - 560 (sequence 3)
Language
German
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559 Marta Hellmuth: Josef und Zohärath. 560 Seilt (bittend): Gebieterin, er schläft! — Von langer Reise matt, o gönne ihm Die süsse Ruhe und den holden Traum! Zohärath: Zum Schlummer taugt die Nacht, jetzt soll er wachen! (Hart) Was braucht ein Sklav', um hohen Preis erkauft, Am Tag des Schlats? Auch will ich selber seh'n, Ob er das überreiche Lob verdient, Ob wirklich er so schön, (höhnisch) so rein und gut, Wie Du gesagt? Gut sein scheint mir kein Lob, Der Schwäche Zeichen ist's, der Niedrigkeit, Des knecht'schen Sinnes, der sich zahm und feig Und kampüos unterwirft; die Guten hass' ich! Wer schön und stark ist, herrsche kühn und frei Und lass' dem Sklaven Demutsheuchelei! So ruf ihn endlich! (Sent ab.) Zohärath (zuMut): Wie mir seltsam ist! Bleib' hier, ich fürchte mich, als drohte mir Ein nahes Unheil! (Den nahenden Josef erblickend.) All ihr grossen Götter! Wie schön er ist, das Herz erzittert mir Und meine Knie erbeben, — geh' nicht fort! Wie düstres Feuer schwimmt's vor meinen Augen, Und Angst umkrampft mich, atemloses Grau'n, Als kam' der Gott des Todes da geschritten! 0 süsse Lippen, weiche Rosenpfühle, Die Seele heiss in Küssen auszuhauchen, Und dieser Augen tiefe Liebesnacht, — Mein, wärst Du mein! VIII. Scene. Vorige. Sent. Josef (lässt sich vor Zohärat auf ein Knie nieder). Josef: Gebieterin, Du riefst! Hier bin ich, was befiehlst Du Deinem Knecht? Zohärath (zitternd und verwirrt): Ich bitte Dich, steh' auf, ich kann Dich nicht Im Staube seh'n vor mir, es ziemt Dir nicht! Josef (bescheiden): Gehorsam Dir und Potiphar zu sein Ist meine höchste liebste Pflicht — Zohärath: Ist's wahr? Willst Du mir stets gehorchen, was ich auch Von Dir verlangen mag? Josef (einfach)*. Bei meinem Gott! Du wirst das Rechte immer nur gebieten, Sag1 an, was soll ich thun? Zohärath (ausweichend) : Wie nennst Du Dich? — Erzähle mir, woher Du kamst, warum Die Heimat und die Eltern Du verlassen, Erzähl' mir alles und verschweige nichts, Denn alles, was Du mir verkünden kannst, Ist lieb und teuer mir, weil es Dein Bild Mir klarer immer in die Seele prägt, Und weil ich dabei Deine Stimme hören, Dich schauen kann, Dich, — sag', wie nennst Du Dich? Josef (betroffen und schüchtern): Josef, Gebieterin, bin ich genannt! . Ich bin der Sohn des Jakob und der Rahel! Die Eltern liebten sich so grenzenlos, Als wären sie, ein Wesen nur, geschaffen: Ihr Herzschlag tönte wieder seinen nur! Wenn er sie ansah, strahlten seine Augen. Bei ihrem Anblick lachte ihm das Herz! Sie war so schön, so sanft, so lieblich mild! Und immer hörte ich die Mutter sagen, Der erste Augenblick, da sie sich sah'n, Rahel am Brunnen, als sie Wasser schöpfte, Und Jakob, der von langer Wand'rung kam, Umschimmert von der goldnen Abendröte, Das war wie Blitzstrahl aus dem Schooss des Himmels, Wie Sonnenaufgang — glüh'nde Seligkeit! Sie liebten sich von diesem Augenblick, Und Jakob liebt sie über's Grab hinaus! Zohärath: So starb sie. Deine Mutter? Josef: Sie verliess uns, Als Benjamin dem Vater sie gebar! Doch viele Brüder hatt' ich noch, o Herrin, Von Lea, die des Vaters andres Weib. Sie war nicht schön, wie Rahel, trüb ihr Blick, Weil immer sie nach Jakob's Liebe weinte, Und weil sein Herz nur für die Mutter schlug. Oft trauert' ich mit ihr, dass sie allein, Und oft auch nahm mein Haupt sie in die Hände, Verzehrend mit den Blicken mein Gesicht, Und seufzte: „Web, er hat der Rahel Augen, Die schwarzen Augen, meines Glückes Grab! Geh fort!" Und zürnend stiess sie mich hinweg, Doch sah ich wohl, es war ihr weh ums Herz,

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