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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 557 - 558

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Josef und Zohárath
Date
1902-08-01
Page
Seite 557 - 558 (sequence 2)
Language
German
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557 Marta Hellmuth: Josef und Zohärath. 558 Ich bin die Tochter seiner Hohenpriester, Und dunkel schwirrt Erinn'rung mir ums Haupt! Der Finsternis geheimnisvoll enttaucht es Mit rabenschwarzen Schwingen, glüh'ndem Blick, Verderblich schön und lacht mich schamlos an. Sein heimlich Flüstern lockt in meinen Ohren: Die Sünde nur ist Leben, sündige! Ich schul so schön Dich, dass Du freudig Dich Für mich dahin giebst, neues Sein zu schaffen, In jedem neuen Leben schaffst Du mich! Die Zeit ist da, ich harre Deines Opfers, Die Stunde ist gekommen, opfre mir!" Weh mir, was sag' ich, er, er spricht aus mir, Der Dämon, der aus Sodom's Flammen stieg! Mut: Mir graust, der Wahnsinn spricht aus Deinen Blicken, O Herrin, was befiel Dich? Fasse Dich! Zohärath: Und ihm nun angekettet, ihm, dem Sanften, Dem kraftlos Welken, müd und widrig schwach! O einen Labetrunk, eh' ich verschmachte, Und Lind'rung, Rettung aus der Höllenqual! (Sie wirft sich auf einen Gartensitz.) Sent (tritt zu ihnen) : Bück auf, o Herrin, Stimmen hör' ich, Schritte, Sie nahen sich, erhebe, sammle Dich! Zohärath (richtet sich auf]): Wer sind die zwei? Sent: Ismaeliter sind's, Die beiden, die uns Spezerei'n und Würzen Und Schmuck und Zierrat, heut wie oft, gebracht. Auch hört' ich, dass von ihnen Potiphar Heut' einen jungen Sklaven losgekauft! Da sind sie schon! VI. Scene. Vorige. Omar. Jethran. Omar (sich tief vor Zohärath neigend): Die Götter sei'n mit Dir! Was wären ohne Dich wir, Potiphar? Ein königlicher Herr, so wahr ich lebe, Er giebt mit offner Hand und feilscht nicht lang'! Wir geh'n zufrieden, Du auch wirst uns danken! — (Mit verschmitztem Lächeln.) Der neue Sklave, der Hebräerjüngling, Er taugte für das Haus des Pharao! Doch wussten wir, er würde Dir gefallen, Schön ist er, gleich und gleich gesellt sich gern! Jethran: Wir haben ihn zu billig hergegeben Aus Freundschaft nur für Dich und Potiphar! Man hätf ihn aus den Händen uns gerissen, Solch selt'ne Ware, solch ein Ausbund ist's! — (Küsst seine Fingerspitzen.) Was thut man aber nicht für werte Kunden? So bleib' er denn bei Euch, zwar halb geschenkt! Er bringt Euch Kurzweil, kehren wir zurück, Gieb acht!] Du dankst uns für den guten Kaut! (Gehen lächelnd ab.) VII. Scene. Zohärath. Mut. Sent. Zohärath: Was meinten sie, was soll ihr heimlich Lachen Und ihr verstohFnes Augenspiel, sagt an? Sent: Du weisst, es sind die klügsten Handelsleute; Wer Midianiter sagt, der sagt Betrüger, Täuschen ist, überlisten, ihr Gewerb \ Doch diesmal, glaub' ich, sprachen sie die Wahrheit! Denn als ich, Herrin, Dein Gemach verliess, Fand ich auf einem Ruhebett den Knaben, Von dem sie sprachen, tief entschlummert schon! Nie sah ich solchen holden Jugendreiz! In dunklen Locken lag sein Haupt gebettet. Ein Lächeln spielt' auf seiner Wangen Rund, Als säh' im Traum er seine Heimat wieder, Denn er ist wohl aus fernem, fremdem Land! Die langen Wimpern hüllten ein die Augen, Die sanft gewiss, er scheint so mild und gut! Zohärath (spöttisch): Wie willst Du, kleine Thörin, solches wissen? Im Schlafe lag er, und Du nennst ihn gut? Sent: Sieh ihn nur selber erst, dann wirst Du's glauben: Unschuld und Frieden schwebt um seine Stirn! Wie er erschöpft da schlief, rührt' er mich tief, Als könnte ihm nichts Böses, Nied'res nah'n, Kein Sklave schien er mir, ein Königssohn, Vertrieben zwar, doch immerdar umstrahlt Von einer Hoheit, die kein Schatten trübt, Gewiss, er stammt von einem Fürstenthron! Zohärath (halb ungläubig, halb erstaunt): Schau, schau, die kleine Närrin ist verliebt! Nicht Dir, noch jenen andern will ich trauen, Wir wollen selbst das Wunderbildnis schauen! Ruft ihn mir her!

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