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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 561 - 562

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Josef und Zohárath
Date
1902-08-01
Page
Seite 561 - 562 (sequence 4)
Language
German
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561 Maria Hellmuth: Josef und Zoliarath. 562 Weil sie verachtet war und ungeliebt. Und weil der Vater mich, der Rahel Sohn, Stets lieber hatf und küsste, kost' und herzte Und selten nur nach ihren Kindern frug! Jetzt, da ich selbst im Leid, versteh' ich's erst, Wie ungerecht er war; doch ist's die Art Der Liebe wohl, dass ungerecht sie, blind! Die Brüder hassten mich darum, so kam's, Dass ich getrennt von all den Meinen bin! O Zelte meines Vaters, sah' ich erst Euch wieder schimmern dort in Kanaan! — Vergieb, Gebieterin, die Klage — soll ich Noch mehr erzählen? Zoharath: Alles, sagt' ich Dir. Nicht heut nur, täglich, stundenlang will ich Dir lauschen, Josef, Sohn der schönen Rahel! III. I. Scene. Zoharath (in duftigen, halb durchsichtigen Gewändern, ruht aut dem Lager). JoSef (in seinem Purpurmantel auf einem Sessel in einiger Entfernung; verwirrt und unruhig). WassagstDu mir? Abschied zu nehmen kommst Du, Weil Potiphar entfernt? Hat er Dir nicht Beim Scheiden all' sein Eigentum vertraut? Wenn er zurückkehrt, wie Dein Thun erklären? JOSef (gequält)! Gebieterin, Du weisst, warum ich fliehe, Noch hab' ich meinem gütig milden Herrn Bewahrt die Treue, die ich ihm gelobt! Blieb' ich, von schnöden Undanks Schmach entstellt, Ein Dieb an seinem edelsten Besitze, Ein ungetreuer Knecht, stand' ich vor ihm! — In's Feld hinaus, zu seinen Hirten geh' ich, Dort will ich, wie daheim, die Herden weiden, Mein Pfühl die Erde, über mir die Sterne! Zu meinem Gott inbrünstig will ich beten, Dass er mein Schutz sei gegen dies. Was ist es! (verstohlen nach Zoharath blickend) Es quält mich Tag und Nacht und macht mich elend! — Ach, Herrin, Sünde ist's, dass so ich spreche Zu eines andern Weib, ich weiss es wohl, Und meine Träume, die zu ihr mich tragen, Den süssen Leib in meine Arme betten, Und meine Lippen schliessen auf die ihren In atemlosem Kuss — sie sind verflucht! — Ein Sünder bin ich, doch nur in Gedanken; Noch hab' ich nicht die böse That gethan, Die Mutter gab Dir einen Zauber mit, In Deinem Blick, in Deiner Stimme Laut, Dem keiner widerstehen kann, ich fühl's — (legt die Hand aufs Herz) Weil Deine Eltern sich so glühend liebten, Als sie Dich schufen, darum wirst auch Du Liebe erwecken, Liebe namenlos Und unaussprechlich! (sich gewaltsam fassend) Geh jetzt, Joseph, geh! Lass mich allein, doch bald, bald kehrst Du wieder, Dann wirst Du weiter mir verkünden noch Von Deinem Volk, von Eltern und Geschwistern, Noch viel hab' ich zu hören und zu fragen, So denn, leb' wohl für jetzt, auf Wiedersehen! (Sie winkt ihm Lebewohl zu. Er verneigt sich tief und geht mit einem träumerisch nachdenklichen, erstaunt fragenden Blick auf sie ab und ins Haus.) Akt. Die sie, die Heissgeliebte, mit entehrt! — Und darum lass mich, Herrin, lass mich fliehen, Eh es zu spät und wir verloren sind! — Zoharath (in immer mehr sich steigernder Leidenschaft).' Du Holder, Honigseim sind Deine Worte! — Dass Du mich liebst, es lindert alle Qual, Die ich empfand, seitdem ich Dich geseh'n! Du bist für mich geschaffen, schönstes Wesen, Und ich für Dich, Dein bin ich, einzig Dein! — Wie kann es Sünde sein, was alle Sinne Durchflutet so mit junger Lebenskraft, Was alle Pulse schlagen macht in Wonne Und alles Seins Vollendung ist und Ziel? — Der Gott, der solche Feuertriebe weckte, Der aller Schönheit, aller Jugendlust, Des Schaffens und des Werdens Offenbarung, Des Lebens und der Liebe tiefster Sinn Und aller Sehnsucht Kern und Gegenstand: Der sollte, was er selbst erschaffen, strafen, Dass er in uns'rer Qual sich mit verzehrt, Sich selber höhnend und sein eignes Werk? — Ein Geist des Widerspruchs, der ew'gen Zwietracht, Kein Schöpfer und Vollbringer wäre er! — Mein blühender Leib sei Tempel meines Gottes, Der draussen glüht und strahlt in Blum' und Licht! Mit jedem meiner Reize will ich opfern, Du sei der Priester, den ich mir erkor! — O lass' in Deinen Armen Weib mich werden! — Natur, die Gottheit, die uns so erschuf,

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