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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 555 - 556

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Josef und Zohárath
Date
1902-08-01
Page
Seite 555 - 556 (sequence 1)
Language
German
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555 556 JOSEF UND ZO H ARATH. Drama in 4 Aufzügen von Maria Hellmuth. Der erste Akt führt in den üppig prachtvollen Haushalt Potiphar's ein. Diener und Dienerinnen besprechen sich über das ungleiche Paar, den alternden Mann, die schöne heissblütige Frau, die in allem Ueberfluss unbefriedigt ist. Der gefangene Josef wird von ismaelitischen Kaufleuten ins Haus gebracht und von Potiphar gekauft. Zohärath entbrennt in wilder Leidenschaft für den schönen Jüngling. Als weisen sparsamen Verwalter der Güter Potiphar's zeigt ihn der zweite Akt. Die eigennützigen Diener hassen ihn wegen seiner Gewissenhaftigkeit, die zum Fest des ägyptischen Sonnengottes ins Haus kommenden Priester deshalb, weil er seinen Stolz auf den einen einzigen Gott, der sich seinen Vätern offenbarte, zu deutlich zeigt. Der Oberpriester durchschaut, was im Herzen Zohärath's vorgeht. Im Gespräch mit ihm wird sich Josef darüber klar, dass er die Liebe des schönen Weibes erwidert. Bei Beginn des dritten Aktes sind Josef und Zohärath allein. Es folgt die bekannte Verführungsscene, von der die Bibel erzählt: Josef entflieht. Potiphar, misstrauisch geworden, kehrt mit dem Priester heimlich zurück. Er glaubt sich betrogen, als er den Mantel Josefs auf seinem Ehelager erblickt. Josef wird ins Gefängnis gebracht. Zohärath, in Verzweiflung, dass Josef ihr widerstanden, tötet sich. Aus ihren letzten Worten ergiebt sich Josefs Unschuld. Der gefangene Josef deutet seinen Mitgefangenen, dem Mundschenken und dem Bäcker vom Hofe Pharao's, ihreTräume. Als die Deutung bei beiden eintrifft, wird er vor den Pharao geführt, den schwere Träume quälen! So gelangt er zu Ehre und Grösse, wie es ihm die Traumgesichte seiner Kindheit schon verheissen haben. Wir lassen aus der Dichtung den Teil folgen, der uns das Wesen Zohärath's menschlich nahe bringt, ferner die erste Begegnung Zohäraths und Josefs, sowie die Scene, welche den Höhepunkt der biblischen Erzählung darstellt. PERSONEN: Zohärath: Potiphar's Weib. Mut und Sent: Dienerinnen. Omar und Jethran: Midianitischc Kaufleute. Josef: Ebräischer Sklave. V. Scene. Zohärath. Mut. (Später Sent.) Mut: Sei heiter, Herrin, Mut ist immer fröhlich, Warum willst Du's nicht sein, so reich an Glück? — Zohärath: Sprich, Mädchen, nicht das Wort, es klingt wie Hohn! Glück war' es also, dass ich jeden Tag Den Leib in Milch und Honig tauchen kann, Das Antlitz und die Lippen bunt bemalen, Geschmeide um mich hängen, hundertfarb? Dass mich Gewänder weich und leicht umschmiegen Wie Duftgewölk? Mein Bett auf goldnen Füssen, Mit Lotosblumen, Sphinxenklau'n geschmückt, Gewebe trägt, so schimmernd wie der Hals Des rosigen Flamingos? Tote Pracht! — Mich flieht der Schlaf, in meinen Adern kocht Das kranke Blut, es pocht in meinen Schläfen, Und wirre Bilder führt die wache Nacht Endlos an mir vorüber, Wahngesichte Von Armen, die mich zärtlich fest umschliessen, Von Lippen süss und weich und glutdurchzittert, Und Lust durchrinnt mich, warmen Lebens Strom! Ich fahr' empor, die Arme ausgebreitet Ins leere Nichts, die Wangen überströmt Von heissen bitt'ren Thränen, und ins Lager, Ins öde, freudenlose, hingesunken, Mit scharfen Zähnen, wie die Pantherin, Beiss ich die Kissen in ohnmächt'ger Wut! Du siehst mich staunend an; aus Deinen Blicken Spricht inn'ges Mitleid, höre denn mein Weh! — Dies Land gebar mich nicht, die fernen Stätten Des Toten Meeres, einstmals lichtumglüht Und blühend wie ein reicher Gottesgarten, Doch dann von unerhörtem Greu'l befleckt, Erstickt im Feuerbad, im Schwefelpfuhl! Von dorther kommt mein Stamm, aus jenen Stätten, Die ausgetilgt vor Gottes Angesicht, Zog mein Geschlecht in dunklen Vätertagen, Davon die letzte Spur in Staub verweht! Doch weiss ich wohl, in meine Kindheit klangen Die düstern Stimmen noch verschoirner Zeit .Und kündeten von furchtbaren Verbrechen, Von Lastern unnatürlich, fluchenswert! Ein Geist der Finsternis, der Feind des Lichtes, Erbarmungslos und tückisch, säte dort Todsünden, grässliche Gelüste aus! Verschwunden sind die Tempel und Altäre, Wo Baal einst triumphiert, der Wollust Gott! — Doch von den Flammen, die sein Reich verschlungen, In meinen Adern glüht ein blut'ger Brand,

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