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Ost und West · 1902-07-01 · Heft 7 (Juli 1902) · p. Seite 471 - 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 7 (Juli 1902)
Article
Bei Max Rabes
Date
1902-07-01
Page
Seite 471 - 472 (sequence 4)
Language
German
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471 Theodor Zlocisti: Bei Max Rabes. 472 ■NmflMp £$✓ >r -v. .1 - . --^i-, , | # r;^ staltet, die lebenswahr wirken, ohne alle naturalistische Brutalität. Und allem Brutalen in Leben und Kunst steht Rabes innerlich und äusserlich fremd und feind gegenüber. Er ist — im besten Sinne! — ourgeois als Mensch und Künstler. Wie er selbst sich das Leben, sein Heim behaglich und ohne Prunk einrichtet, so wünscht er, dass seine Werke in den Wohnungen behaglicher Leute Freude an Welt und Kunst verbreiten. So hat Rabes nur ein Ideal, dass die Kunst und dass seine Kunst zum Volke rede. Wir sprechen yon der modernen Landschaft er ei. Ich erwähnte den Ausspruch Boecklin's, den uns Fleiner überliefert hat: dass die rechte Entfernung, in der ein Bild betrachtet werden müsse, etwa doppelt so gross sei als das Bild selbst. Wenn dieser Satz zutrifft, so meine ich, müsse auch jedes Bild so gemalt sein, dass es in der doppelten Bildgrössenentfernung zur besten Wirkung gelange. „Nun ja — sagte Rabes — aber, sehen Sie die neuesten Landschaften an! In der Nähe betrachtet, ein wirres Farbengemisch, so wie meine Bilder nach dem ersten Entwurf aussehen. Und wenn man überhaupt einen Eindruck hat, so im besten Falle in 50 m Entfernung. Wo kann solch ein Werk Freude und ruhigen, künstlerischen Genuss bereiten?" So flog denn unser Gespräch hin und her. Der Mann hat seine Grundsätze, nach denen er schallt und fleissig schafft. Er strebt eine vornehme Delikatesse an, eine Sorgfalt in der Durchführung und Sauberkeit in der Behandlung. „Ich kenne die ganze moderne Künstlergesellschaft wenig; aber wenn ich mir die Bilder ihrer Halbgötter betrachte mit all' den verrenkten Gliedmassen und unglaublichen Verzeichnungen und der Farbenkleckserei, dann muss ich immer annehmen: Ein Mensch, der so schmiert, trägt auch keinen sauberen Kragen. Sehen Siel Meine Klagemauer in Jerusalem. Der Weg, der dorthin führt, ist voller Pesthauch. Und mächtige Schmutzäfe<: & - - ~ ' n , .^'H . / : : . ':m, &< /lälNi® "%£'"$^4T* ^p^y^v. '^a *; - ' v i ,"-" ■ f .', ■: ,". V.V [..'■ :4 2 MAX RABES. Jüdischer Lastträger aus Jerusalem. häufen entweihen die Stätte, die so vielen Andacht und Sehnsucht weckt. Aber wozu so 'was malen?44 Und dabei spricht Rabes mit einer sittlichen Entrüstung, dass man merkt, die Entgleisungen der „Modernen4' sind nicht sowohl seinen ästhetischen Forderungen, sondern seinen innersten und heiligsten Gefühlen von Wesen und Wirkung der Kunst zuwider. Seines eigenen Strebens, seiner nivellierenden und idealisierenden, die Farbenreize und die landschaftlichen Eigenheiten betonenden Art ein typisches Zeugnis ist gerade seine „Kiagemauer". Sie gehört zu seinen reifsten Schöpfungen. Rabes hat dreimal Palästina durchquert und Land und Leute studiert und die heiligen Schauer,, wie sie Loti in zartesten Tönen lebendig gemacht,, in eigener Seele durchlebt. Jerusalem, die ewige Stadt, hat er erst neuerdings für den Schlosssaal gemalt — ganz getaucht in die goldigen Farben der Sonne Juda's. Aber unsere Sehnsucht in die Zukunft und unsere Hoffnungen, die nicht verschweben, sondern Gewissheitsind, die hat er tief verinnerlicht in die Gestalt des in die Unendlichkeit hinausstarrenden, träumenden Beters an der Klagemauer hineingelegt, von dessen ausgezehrtem Körper die Seele bald zu dem Gölte unserer Väter heimkehren wird. Und die Gegensätze, die unseren Stamm zerreissen. An der linken Seite occidentale Juden ohne innere Regung, ihre Gebete herleiernd mit denselben Lippen, mit denen sie eine Minute zuvor dem vorübergehenden Maler ihre schmutzigen Wucherdienste angetragen. Und dann die schwermütige Gruppe der um Zion Träumenden und Trauernden, in deren weltentrückte und reine Seele nur Rabes einen tiefen, bannenden Blick werfen lässt. Mit dem trefflichen Instinkte des wahren Künstlers hat Rabes die klaffenden Disharmonieen zwischen unserer Höhenart und dem elendgeborenen, ghettoständigen Materialismus getroffen. Und als ich ihn — den Deutschen und Christen — mit leisem Hinweis ": t■■ ' ■ X * ] i 7 " ,: Y-./ '; , w4 " '^^k. ^1 * ^^pj " K— *- " V"" * V:4 M^fcÄ

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