Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1902)
- Article
- Bei Max Rabes
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 469 - 470 (sequence 3)
- Language
- German
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469 Theodor Zlocisli: Bei Max Rabes, 470 Erfolg. Kaum hat er ein Gemälde fertig gestellt, so wandert es in eine private oder öffentliche Sammlung. Weimar besitzt sein Werk: „Araber". Karlsruhe den „Markt in Edfu", die Stadt Berlin eine Reihe von Zeichnungen und Aquarellen. Erst neuerdings hat das Reichspostmuseum seinen „Arabischen Briefschreiber" angekauft. Ohne Prahlerei spricht Rabes von seinen Erfolgen. Aber mit Genuglhuung. Ihm sind die Gaben nicht in den Schoss gefallen. Er hat ernst und schwer gearbeitet, und auch jetzt sieht ihn bereits der frühe Tag vor -seiner Leinewand. Er ist keiner von den Genies, die die Stunden vertrödeln, versumpfen und mit Absynth sich Stimmungen machen und der Schöpfertage harren, die nicht kommen wollen. „Genie ist Fleiss", das Wort trifft so recht für Rabes zu. Wenn man die breite Fülle seiner Werke überblickt, so möchte man ihn für einen alten Herrn halten. Aber ich war nicht wenig erstaunt, als mich ein elastischer, frischer Mann in den ersten Dreissigern empfing. Rabes, der 1868 in Samter geboren wurde, ging von der Dekorationsmalerei aus. Er war zuerst Schüler bei den bekannten Theatermalern Borgmann, die in früheren Jahren für die Ausstattungsstücke des nunmehr selig entschlafenen Berliner Viktoria-Theaters die Kulissen und Wände malten. Später wurde er Schüler des Architekturmalers Graeb, dem er bereits als 17 jähriger Jüngling am Polytechnikum assistierte, und dessen Einfluss auf die früheren Gemälde Rabes' mit ihrer Vorliebe für architektonische Motive deutlich zu erkennen ist. 18 Jahre war er alt, als er Sizilien kennen lernte, und ein Jahr später lässt er den Farbenzauber Aegyptens auf sich wirken. Sechsmal hat er das Pharaonenland bereist, und jedesmal brachte er eine Fülle neuer Werke mit heim, die alle seines liebenswürdigen Talentes, seines zähen FJeisses, seiner lichtfrohen Beobachtungsgabe köstliche Zeugnisse sind. Er hat ein besonders scharfes Auge für die schlichten Lebensgewohnheiten des Orientalen, deren Eigenart in ihren sorgen ungewohnten Müssiggang, in ihrem brütenden und grübelnden Fatalismus das eine Mal, und dann in ihrem beweglichen Handelstalent, Rabes mit sicherem Kennerblick erfasst und in das lichtdurchflutete Milieu einfügt und zu Gemälden ge-