Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1902)
- Article
- Bei Max Rabes
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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473 Theodor Zlocisti: Bei Max Rabes. 474 auf die Zustände in den Ländern der Emanzipation Als ich die Treppen hinabstieg, war mir wieder deutete, sagte er: Ich habe es immer empfunden, dass einmal klar, was der Zionismus im letzten Grunde Ihre Grossen und Reichen hier zu Lande nur — halbe will und wirkt: Juden, die ganze Menschen sind! Menschen sind......--------- Dr. med. Theodor Zlocisti. psalm 126.*) führt einst unser Gott uns na* Zton zurück — O T>aum unsrer Seele, ersehntes Geschick! — Dann lacht unser HntUtz, lobsingt unser ]Mund, Dann sagen die Raden; Seht, Gott macht sich kund! Berr Gott, mache hund dtch, so jauchzt unser ]Mut! Site QRasser perdampfen in sonniger Glut, 80 lasse zerschmelzen das fesselnde 6rz, Befreie uns, Vater, beglück unser Berz! mir mussten in Kummer die Saat ausstreun, O lass, unser Berr Gott, die 6rnte uns freun! 3CKr pflügten mit "Cbranen der Hecker Reihn, O gieb, dass wir jubelnd die Garben dir weihn! *) Aus dem soeben erschienenen Buche „Die Gedichte der Bibel" in deutscher Sprache von M. A. Klausner (Berlin, 1902, S. Calvary & Co.). RACHEL MIRONOWNA CHIN. Eine russisch-jüdische Belletristin. Von Josef Melnik (St. Petersburg). Es existieren in russischer Sprache Bücher und gegenwärtig auch zwei Zeitschriften „für jüdische Interessen", ob aber diese Produktionen genügend sind, um von einer russisch-jüdischen „Litteratur" zu sprechen, ist noch eine Frage; für mich allerdings — keine. Von einer russischjüdischen Kunstlitteratur, wie man die Kunst auch definieren mag, kann nach meiner Ansicht gar keine Rede sein. Sogar die am besten bekannten Schriftsteller, wie Bogrow, Lewando, entsprechen nicht den primitiven Kunstforderungen; sie sind talentvolle Sittenschilderer, die für den Kultur-Historiker einen gewissen Wert haben, aber Kunstbedürfnisse zu befriedigen, sind sie durchaus nicht im stände. Die russischjüdischen Werke haben immer Zeitfragen im Auge, die von dem Standpunkte gewisser armseliger, einseitiger Parteigesinnungen gelöst werden. Sie befinden sich nicht im Kontakt mit dem Zeitgeist, stehen nicht im Zusammenhang mit den Bestrebungen, die aus der Sehnsucht und den Leiden der immer vorwärtsschreitenden Geistes- und Gemütskultur der Menschheit stammen: sie sind — Ghetto-Litteratur. Ein enges, vergessenes Gässchen in der grossen Weltstadt der russischen Litteratur. Die russisch-jüdische Presse sogar schleppt eine grosse Bürde von Tradition mit sich, wird von Routine zerfressen und macht den Eindruck des Schablonenhaften. Sie versucht es nicht, über jüdische Kulturfragen mit der Objektivität, Strenge und Tiefe, die sie verlangen, zu sprechen. Sie geht nicht voran, sondern hinkt den schläfrigen Stimmungen der jüdischen halbintelligenten Masse nach; ich sage den schläfrigen, weil sie die gärenden Stimmungen der besseren jüdischen Intelligenz nicht zum Ausdruck bringt. Gegen diese russischjüdische Presse muss eine Anklage erhoben werden, weil sie von Niemandem ernst genommen wird und auch genommen werden kann; ich