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Ost und West · 1902-07-01 · Heft 7 (Juli 1902) · p. Seite 467 - 468

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 7 (Juli 1902)
Article
Bei Max Rabes
Date
1902-07-01
Page
Seite 467 - 468 (sequence 2)
Language
German
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467 Theodor Zlocisti: Bei Max Rabes. 468 MAX RABES. Studie zur Klagemauer. Freilich hat sich manches in unserer künstlerischen Auffassung geändert, seitdem Delacroix und Decamps den Orient als Landschaftsmotiv entdeckt haben. Gerade die Landschaftsmalerei — das modernste Kunstgebiet — hat sich mehr und mehr von einer naturgetreuen Wiedergabe des Vorwurfs freigemacht. Schön und" hässlich — im alten Sinne — verloren ihre Begriffswerte. Sie wurden zu leeren Vokabeln. Wie tot immer ein Gelände erschien, wie kalt und einsam — der Künstler malte, was und wie er sah, indem er in die Landschaft die Stimmung, die ihn beherrschte, hineintrug. An die Stelle eines pedantischen Naturalismus, dessen Ziele sich durch die Photographie müheloser und schneller erreichen lassen, trat das Symbol, Die Landschaft ist so recht der Tummelplatz pantheistischer Grübelei geworden und der Umwertung aller als objektive so lang feststehenden Werte zu ungebunden subjektiven. Aus diesem Wandel aber ergab sich zugleich, dass das landschaftliche Kunstwerk oft nur noch in der persönlichen Artung seines Schöpfers verständlich blieb und allen Gleichgestimmten, Gleichgesinnten und gleicher Sinne. Allen: das will sagen, den Wenigen. Und die Bilder dieser Individuellen, die oftmals nur Akrobaten der Individualität sind, decken einsame Atelierwände. Einsam nur wegen der Entfernung von Beschauern, vom „Volke". Im übrigen befinden sich die Bilder zumeist in einer grossen Gesellschaft anderer Gemälde. Max Rabes setzt einen Stolz darein, dass seine Bilder gekauft werden. Er spricht davon mit erfrischender Offenheit, ohne sich in das mystische Gewand eines im blauen Aether, weiten- und menschheitsfern schwebenden Halbgottes zu hüllen, zu — vermummen. Für ihn giebt es nur eine Kritik, die Wert hat: die Stimme des Volkes. Was die Zünftler sagen, ist ihm gleich. Er sucht ihre Meinung nicht auf. Aber wenn hunderttausend Menschen vor seinem Bilde stehen bleiben und fast alle sagen: „Dieses Gemälde möchte ich besitzen" — das ist eine Beurteilung, die zu neuer Arbeit spornt, zu neuen Anstrengungen. Das ist ein Standpunkt, über den sich streiten liesse, dessen Geradheit aber in einem angenehmen Gegensatz steht zu der herablassenden Gleichgültigkeit der l'art pour l'art-Künstler, die — theoretisch — immer auf die Menge pfeifen, und doch „wollen sich der Menge zeigen". Aber sehr! Ueber Rabes kann man der absprechenden Urteile viele hören, zumal jetzt, wo ihm ein Mäcenas den Auftrag gab, einen Schlosssaal mit den Landschaftsbildern einer Weltreise zu schmücken. In den Kreisen von Kollegen wird alles verziehen. Sogar das Talent, das ein — anderer besitzt. Allein der Erfolg wird nie verziehen. Der Erfolg des Kollegen wird von den Confratres fast immer als eine persönliche Beleidigung angesehen. Als ich lächelnd von diesen Künstlergewohnheiten sprach, wurde Rabes ernst: denn er hatte und hat V MAX RADIÜS. Studie zur Klagemauer.

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