Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1902)
- Article
- Richard Goldberg
- Date
- 1902-07-01
- Page
- Seite 453 - 454 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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453 G. Kutna: Richard Go'dberg. 454 RICHARD GOLDBERG-LEOBSCHUETZ Studie zu einem Gemälde. dem er am Tische gesessen, wenn der Sabbat kam, und wenn der Alltag ihn umgab. Nicht die Personen wollte der Maler darstellen, sondern die Seele des Raumes; doch weil er dies treu gesucht und mit feinen Schwingungen des Herzens ihm nachgegangen, gab er mehr als er wollte; gab er zugleich alles an Seele, was dem Räume seine Seele gegeben. Wonach Goldberg hier gestrebt, das seelisch Centrale dieser Menschen zu erschauen und zur Wiedergabe zu bringen, das sucht er auch im Einzelporträt zu erreichen; denn den Menschen auszuschöpfen in der Tiefe seiner Wesenheit, ist das Höchste an Schönheit dem Künstler und dem Menschenfreund. Eine alte Frau blickt aus dem Rahmen, mit blinkendem Häubchen, lächelnden Runzeln und fast neckischen Augen. Sie ist die Mutter, von ihnen allen die Mutter. Die Söhne und die Kinder scharen sich um sie und suchen sie, wenn sie nicht da ist. Ihre „Jungen" gehen schon längst selbst ihren Weg, und das Geschäftigsein für sie hat aufgehört, aber da muss sie sein, das genügt. Sie braucht v-.~ c^-^L RICHARD GOLDBERG-LEOBSCHUETZ. Portrait. nicht'schön zu sein, nicht vornehm, noch bedeutend, nur schlicht menschlich, so wie sie ist, ein altes stillfrohes. Mütterchen. Als solches blickt sie aut ihre: Kinder und von ihnen aus . auf . Welt und Menschheit. In grossmütterlichem Humor blickt sie aus dem Bilde, und dieses Gross mütterliche ist ihr centraler Charakter, ist ihre Seele. Ein anderes Porträt: eine Dame.vom Montmartre. Zart und glühend, lebenverlangend und lebensvertraut, reich an Begierde, und kühl im Genuss, durchprickelt von. der Unruhe eines kränklichen Kulturmilieus.. Ein feines, zierliches Kinn, feingeschwellte, leise. Lippen und sensibel bewegte Mundlinien, erzählend und verhüllend. Das steigert sich weiter. Wölbung, Flügel und Rückenlinie der Nase von geistreich organischer Bildung, . in feinem Nervenspiel bewegt, und dies alles centripetal einlaufend zu dem Brennpunkt dieser Lebenseinheit, dem kühl glutenden Auge; um das legen sich die wehleidigen Wimpern, geschattet und umfärbt von lohendem Haar. Im Gegensatz zu der alten Frau, deren Wirksamkeit ihr Lächeln ist, und deren Handeln in ihrer