Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 2 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Die Juden in Yemen
- Date
- 1902-05-01
- Page
- Seite 339 - 340 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2583875-2583890-2583896-2585494--01663-2585561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
339 Hermann Burchardt: Du* Jiulcii in Yemen. Lesender Jude aus Sana'a. (Hauptstadt des VemcD). Auch Jüdinnen finden sich oft als Dienerinnen in den Häusern der türkischen Beamten. Im türkischen Hospital traf ich einige Jüdinnen als Krankenwärterinnen in der Frauenabteilung. An Bildung sind die Juden in Sana'a den gewöhnlichen Klassen der Araber dahin überlegen, dass sie sämtlich wenigstens hebräisch lesen können; obwohl das Arabische in ihren Schulen nicht gelehrt wird, giebt es doch eine Anzahl Juden, die auch arabisch zu lesen vermögen. Ein jüdischer Silberschmied (Photogr.) war besonders wissensdurstig, er beschäftigte sich sogar mit Algebra, wobei ihm der Sermuhendis (Chefingenieur) des Vilayets, ein Effendi aus Jerusalem, der sich für ihn interessirte, behülflich war. Die hebräischen Bücher, welche ich hier sah, kamen fast ausschliesslich aus Russland (Wilna), wahrscheinlich über Jerusalem, woselbst sich eine grosse Kolonie von Juden aus dem Yemen befindet. Wie man mir sagte, wären fast sämtliche wohlhabende Juden nach Jerusalem ausgewandert; die türkische Regierung setze aber jetzt dieser Auswanderung Hindernisse in den Weg, sonst hätten noch viel mehr Juden das Land verlassen. In unmitteldarer Nähe von Sana'a befinden sich einige kleine Judendörfer mit sehr armer Bevölkerung, die sich durch Töpferarbeiten und Steinhauen ernährt. Die feinen, in unzähligenMustern ausgeführten Maschrebije-Arbeiten der arabischen Häuser in Sana'a sollen ausschliesslich nur von Juden angefertigt werden. Auf meiner Reise nach dem Norden traf ich bis nach dem zwei Tagereise entfernten Musvar in fast allen Dörfern besondere Judenquartiere. — In Am ran nahm ich in einem jüdischen Hause Quartier, da hier, wie auch in Sana'a, die Häuser der Juden für die saubersten gelten. Als ich hier wartete, bis mir ein Zimmer eingeräumt wurde, sprach man mir von einem Juden aus Jerusalem, der sich schon seit längerer Zeit hier im Hause aufhielte. Ich ging zu ihm und redete ihn deutsch an, da ich aus Erfahrung wusste, dass beinahe sämtliche Juden Jerusalems des Deutschen mächtig sind. Er entpuppte sich als aus Kurland gebürtig und zeigte mir ein Buch, durch welches er beauftragt sei, für ein Hospital in Jerusalem zu sammeln. Empfehlungen besass er ausser von den unvermeidlichen englischen Reverends auch sogar eine vom Prof. Strack. In seinem Aeusseren und seiner Kleidung sich kaum von den andern Juden unterscheidend, war er unbehelligt von Aden bis nach Hage (im nördlichen Yemen) gezogen. In Musvar liegt das Judenquartier ganz abseits vom arabischen, und der Sük befindet sich in ihm. Kaukaban, eine jetzt gänzlich verlassene Stadt, die noch vor 40 Jahren 30 000 Einwohner zählte, jetzt aber kaum einige Hundert birgt, hat auch sein Judenquartier, in welchem noch einige Familien hausen. Auf meiner Reise von Sana'a nach Aden traf ich überall Juden; in Weilan, Dhammar, Juden aus Musvar (Nordwesl-Yemcn).