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Ost und West · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. Seite 301 - 302

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
Jozef Israels
Date
1902-05-01
Page
Seite 301 - 302 (sequence 7)
Language
German
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301 Dr. G. Kutna: Jozel Israels. 302 Und der Mann mit seinen Wünschen und das Mädchen mit seinen Fragen behalten Recht. Die Mutter wird gesund. Langsam kommen die Kräfte, sie ist noch schwach, sehr schwach und sitzt im Lehnstuhl. Der Mann ist wieder draussen bei der Arbeit, auch sie möchte beginnen, und sei's nur ein bischen stricken. Aber die Finger sind zu schwach, der Kopf müde; sie lässt die Hände ruhen, lehnt den Kopf in das Kissen und blickt auf ihr Kleines. Das weiss von alledem nichts, von all den schweren "Wochen, aber auch nichts weiss es, und doch hätte es so leicht gep schehen können —. Nun ist sie ihm aber geblieben, und so sieht sie sich es recht an, und Wonnen rieseln ihr durch den Körper, aber sie ist zu schwach, auch nur zu lächeln. Und eine Stille ist in dem Zimmer, als wäre aller Klang nicht weihevoll genug, dass solches Glück in ihm töne. Aber das wandelt sich wieder. Gequält, gepresst ringt es sich aus der Brust. Wieder sitzt sie da in einem weltfernen Räume, abgeschlossen allem Leben, entrückt zu ewiger Einsamkeit, „Allein auf der Welt". So lebt sie weiter. Tief und herb legen sich die Falten um's Gesicht. Sie hat nur die Erinnerung und die Arbeit. Aber das Alleinsein ist so schwer, sie mag atmen um sich hören, und die Nachbarin drüben ist krank. Sie holt ihre Netze hinüber und ist bei ihr. Die andere kann nicht mehr, aber ihre müden Hände regen sich immer weiter. Und so geht es noch — beisammen. Die Krankheit dauert iange, und immer sitzen sie drinn; sie sprechen nicht, aber beisammen sind sie, umhaucht von Erinnerung und Todesahnung. Das hat auch ein Ende, die Nachbarin ist tot. Jetzt sitzt sie „Am Herdfeuer" todesnah, die Stunden laufen ab an der Wand, und alles Leben verdämmert im Bewusstsein. Und das malt Israels alles mit einer geradezu tastenden Kunst, einzig durch die Kraft seines „Sentiment". Das ist die Kraft des Nichtkönnens. Wie das Stammeln der alten Mutter, wenn der Sohn ihr heimkehrt, schön und stark aus der Ferne: sie stammelt, mehr kann sie nicht, und doch ist es ein Gedicht, klangreich und wundersam wie eins. Und Israels sagte ja zu Max Liebermann: „Ausser Millet giebt es keinen Maler, der so wenig zeichnen und malen konnte wie ich, und dabei so gute Bilder gemacht hat." Es liegt nahe, dass Israels Stoffe aus jüdischer Geschichte und jüdischem Leben dargestellt hat, und an seinem 78. Geburtstage im Januar zeigte er seinen Besuchern mit Schöpferfreude die „Typen" einer „Jüdischen Hochzeit", an die er noch letzte Hand legen wollte. Von bezwingender Schönheit in Komposition und Dichtung ist sein „David vor Saul". Rembrandt hat die Szene auch dargestellt, und ein Einftuss ist merklich. Aber bei Israels ist ein lyrischer Duft darüber gehaucht, der dem Ganzen einen anderen Charakter giebt. Bei Rembrandt eine tiefe Schwermut, lauter Bann liegt auf dem Bilde, da hinein der Harfenklang, und dann endlich die eine, gequälte Thräne; von erdrückender Gewalt. Das ist Rembrandt'sches Helldunkel mit den grossen, abgrundtiefen Gedanken. Bei Israels, dem Lyriker, ist dies gemildert. Saul liegt auf dem Ruhebett, müde vom Herumwälzen und dem Hämmern der wüsten Gedanken, der Körper krumm gewunden, der Fuss nach aussen gestreckt, die Brust eingesunken, die eine Hand ffj ■ v^?t; V - ->r : yt |~V .: : 'p-i < y^x \. %^ :' , *; »<■ if?'*': * f%$,^ ' * -X rf^.V^^£^^-£^ , '"-'* .%^?Ä^*>- if'-r , Mm§^K:r" *V : . J;V . -i« --Jt-£: JOZEF ISRAELS. Umzug.

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