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Ost und West · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. Seite 283 - 284

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Die Lage der Juden in Rumänien [Kommentar]
Date
1902-04-01
Page
Seite 283 - 284 (sequence 3)
Language
German
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283 Revue der Presse. 284 Kislenfabrik in Rischon-Le-Ziun. Der „Welt" (Wien, 21. März) wird betreffs des rumänischeri Ilandwerkergesctzes gescln ieben: „In der Kammer erhob ein weisser Rabe seine Stimme zu Gunsten der Juden, indem er fragte: „Wenn die Regierung nur dem fremden Handwerker die Ausübungseines Berufes erlauben wird, dessen Vaterland den Rumänen Reziprozität gewährt, was soll dann mit den Juden hierzulande geschehen, die keiner fremden S c Ii utzherr Schaft unterworfen sind, die hierzulande geboren und erzogen sind, ihre Militärpflicht geübt haben und alle Lasten der Bürger mittragen?" Kr verlangte daher ein Amendement in diesem Sinne Hierauf der Kammerpräsident«: „Giebt es firnf Deputierte, welche dieses Amendement unterstützen?" Allgemeine Ruhe und Stillschweigen. Der Kammerpräsident: „Das Amendement ist verworfen!" Welche Perspektive! Als der Patriarch Abraham Fürbitte für Sodom und Gomorrha einlegte, sprach er zuerst von 50 Gerechten, die sich möglicherweise in der Stadt befänden, und ging dann bis zu 10 herab In der rumänischen Deputiertenkammer fanden sich nicht einmal fünf Gerechte! Was ist da noch zu hoffen? Ich wiederhole nochmals, was ich schon oft gesagt habe: man wird die Juden nicht so behandeln wie anderwärts, mit Blutbeschuldigiingen und dergleichen, aber gesetzlich entzieht man uns den Boden unter den Füssen! Man empfiehlt uns nicht, auszuwandern; man heuchelt sogar Bedauern, wenn man die emigrierenden Gruppen sieht oder von ihnen liest, natürlich nur pour garder les apparences — aber man möchte uns allesamt dort haben, wo der Pfeffer wächst. Welches unermessliche Elend wird zum Beispiel unter den tausenden Juden entstehen, die die Ruralgemeinden werden verlassen müssen, wo die meisten von ihnen eigene Häuser haben und der grösste Teil ihres Vermögens aus Forderungen bei den Rumänen besteht! Es kann schlimmer werden als in Spanien im Jahre 1492!" Dem vorstehend abgedruckten Briefe lag ein Ausschnitt aus dem „Bukarester Tagblatt" bei, den wir hier folgen lassen: (Bukarester Tagblatt von Mittwoch, 26. Februar 1902.) Ein trauriger Vorfall. Heute vormittags fand sich in unserer Redaktion ein anständig aussehender, etwa 30jahriger Mann mit verbundenem Kopfe und verbundener linker Hand ein und erzählte uns folgenden Fall: „Ich heisse Julius Wagschal, bin mosaischer Religion und bin schon seit längerer Zeit im Konfektionsgeschäfte der Frau Paul in der Caela Victoriei als Schneider beschäftigt, wo ich stets zur Zufriedenheit meiner Patronin gearbeitet habe. Seit einiger Zeit, insbesondere seit von dem neuen Ilandwerkergesetze die Rede ist, begegneten mir die in demselben Geschäfte beschäftigten rumänischen Arbeiter mit ausgesprochener Feindseligkeit, und einer derselben, ein gewisser N. Ciuculescu, befahl mir unter Schimpfen und Drohungen wiederholt, ich solle nicht mehr zur Arbeit kommen, sonst werde er mich umbringen. Ich kümmerte mich um sein Reden nicht und sagte ihm, dass ich so lange zur Arbeit kommen würde, als meine Patronin mit mir zufrieden sei. Mittwoch Nachmittag, als ich bei der Arbeit sass, fiel Ciuculescu plötzlich über mich her und versetzte mir mit dem Messer einen Stich in den Kopf, und als ich mich seiner zu erwehren suchte, erhielt ich noch einen Stich in die linke Hand. Ich wurde blutüberströmt ins Coltza-Spital geführt, wo man meine Wunden verband, während gegen Ciuculescu die Anzeige bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft erstattet wurde. Ciuculescu wurde arretiert. Von einer Beratung der Wiener Alliance mit Dr. Herzl über die rumänische Lage berichtet die „Welt": Vor einigen Tagen wurde Herr Dr. Herzl vom Obmanne der Israelitischen Allianz in Wien zu einer Besprechung mit dem Vorstande dieses Wohlthätigkeitsvereines eingeladen.... Er ging zu dieser Vorbesprechung und entwickelte in der Diskussion, der keine positiven Anträge vorlagen, seinen Plan, wie die möglicherweise notwendig werdende umfangreiche Hülfsaktion zu organisieren sei: Es solle mit grösster Beschleunigung eine Konferenz sämtlicher AUianzvorstände und der zur jüdischen Kolonisation verpflichteten Körperschaften an einem central gelegenen Orte, z. B. Frankfurt a. M., zusammenberufen werden. Auch die zionistische Organisation würde ihre Vertreter hinschicken. In dieser Konferenz wäre zunächst eine Einigung über den Ifülfswillen und die Hülfsmittel zu erzielen. Wäre die nötige Bereitschaft vorhanden, so könnte man sich über das Ziel und die Wege der Auswan erring einigen. Von vorn- Fassfabi ik in Rischon-Le-Zion.

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