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Ost und West · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. Seite 161 - 162

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Sturm
Date
1902-03-01
Page
Seite 161 - 162 (sequence 2)
Language
German
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161 Maxim Gorki: Sturm. 162 mit geeinten Kräften die jungen Wellen gegen den Feind. Doch nur selten geschieht's. Reihe an Reihe stösst gegen die steilen Felsen..... Doch unbeweglich und unnahbar steht die Mauer. Nur ein wehklagendes Echo durchzuckt die Luft. Schmerzensrufe sind es sterbender Kämpfer . . . Es weint das Meer .... Die Zeit verstreicht .... Viel Jahre vergehen .... Viel Wellen zerschlagen die junge Brust am starren Felsen. Und immer finsterer, immer düsterer wird es ringsum .... Da dringt Erregung unter die Wellen. „Das kann so nicht bleiben! Auch unsere Stunde muss dereinst kommen! Wohl wollen wir warten! Doch Kräfte wollen wir indessen sammeln!" Und wieder verstreicht eine lange Zeit . . . Stark sind die jungen Wellen geworden, stark und kraftbewusst. Boten fliegen nach allen Seiten, um zum Kampf gegen die Felsen die Schlafenden zu wecken. In die Meerestiefen, zu den alten Wellen, führt der Weg die Boten zuerst. „Nein," sagen die. „Es fehlt uns die Kraft und die Lust zum Kämpfen und Ringen. Wie könnten wir auch mit den Felsen kämpfen, wie sie bezwingen?" Und weiter eilen der Wellen Boten, zu Mutter Sturm und Vater Orkan. Sie suchten sie lange. Auf dem Meere waren sie nicht. Sie waren in den Bergeshöhlen. „Seid uns gegrüsst, Ihr Alten." riefen die Boten ihnen zu. ,,Verlasset die Enge der Berge und kommt aufs offene Meer. Zerreisset die schmachvollen Ketten, die den Geist unserer Brüder in Fesseln schlagen. Haucht neues Leben und Freiheitssinn in die alten Wellen. Führet die Massen zusammen und rücket mit ihnen vor gegen die Felsen. Wir fürchten den Tod nicht, und schrecken vor dem Kampf nicht zurück, denn es gilt die Freiheit unserer Brüder!" Heftig schlug da das Herz der Mutter Sturm, wie Feuer erglühte das Blut des Vater Orkan. Sie gedenken der alten schönen Tage. Mit Blicken der Liebe betrachten sie die jungen Boten. Und gewaltig ertönt von den Bergeshöhen das freudige Rufen, weit über das unbegrenzte Meer: „Wir kommen! Wir kommen! Wir kommen! Für die Freiheit zu kämpfen, Freiheit erobernd! Erwachet, mächtige Wellen, steht auf, die Fessein der Knechtschaft zu sprengen!" Allgewaltig tönet der Ruf. Er weckt die Schlafenden, macht jung die Alten. Kampfesmut und Tapferkeit flösst er ein ... . Und die Wellen erheben sich und rauschen dahin, woher der Ruf, der mächtige, schallt. Und es wird finstere Nacht. Bleischwere Wolken hingen über dem Meere, da das Rufen scholl. Von Ost und West, von Süd und Nord strömen die Wellen herbei und stellen sich zu kraftvollen Reihen. Von Kampfesmut entbrennt das Herz der Jungen, die die ersten zum Sturm sich drängen. Ein Blitz durchzuckt die Luft; schon läuft der Orkan der Mutter Sturm zu Hilfe. Das Gewitter tobt, es dröhnt der Orkan. „Hoch den Schild! Hoch den Schild! Vorwärts, mächtige Wellen! Tod oder Sieg!" rufen sie laut und stürzen wider die finstere Felswand. Die Felsen erzittern. Schon nahen sie, die stürmischen Wellen. Schon sind sie fast da. Mit der Brust prallen sie gegen die Felsen an und stürzen bald blutend zusammen. Und ihr Blut, das Blut unerschrockener Kämpfer, bespritzt die Felsen. „Meine Kinder" ruft jammernd Mutter Sturm. „Es sind die ersten gefallen, und noch viele, viele werden folgen. Doch wir müssen heute den Feind vernichten!" Es schäumt das Meer .... Immer neue Kämpfer treten an der Gefallenen Stelle..... Wie opfermutig sie sind und wie gewaltig! Brausend und sausend schlagen sie gegen die finstere Mauer, prallen zurück, greifen aufs neue in den Kampf, rufen im Sterben ihre Brüder auf zur Hilfe. Noch immer hält der Felsen Stand. Doch immer neue Massen rücken heran, kampfesmutig und unerschrocken; ohne Zahl sind sie, die furchtbaren Wellen. Das Meer weicht von den Ufern zurück. Eng schliesst sich Welle an Welle. Vom Brausen und Stönen erzittert die Luft. Stark wie Löwen streiten die Alten an Stelle der Jungen. Ihre weissen Haare flattern, die ganze Erde erbebt beim Ansturm auf die Felsen. o Morgen ward's. Ein grauer, nebeliger Morgen. Und noch stehen die Felsen unnahbar, noch saust zischend der Sturm, und es zerschellen die Wellen und vergehen, die Brust am Felsen zertrümmernd. Angsterfüllt strömen Menschen herbei. Finster schauen die Fischer dem Tod der vielen herrlichen Wellen zu. Vor bitterem Weh krampft sich ihr Herz. Es weinen die düsteren Menschen und flehen zu Gott, er möge des Kampfes Ende

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