Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. Seite 163 - 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Sturm
Date
1902-03-01
Page
Seite 163 - 164 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2583890-2583894-2585219--01431-2585291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

163 Maxim Gorki: Sturm. 164 beschleunigen und Sieg den Wellen geben. Selbst den Tyrannen, der die Felsen ins Meer gebracht, fasst Schrecken. Sein starres Herz erzittert beim Anblick der Leiden und des Sterbens der Wellen. Wie gerne möchte er jetzt die Felsen beseitigen und die Freiheit den Wellen schenken. Allein es ist zu spät. . Jetzt weinen und beten die Wellen nicht mehr. Zu viel sind ihrer gefallen, zu süss ist's, die Gefallenen zu rächen. Und opfermutig rücken sie vor, vom mächtigen Kriegsruf geleitet. Eines nur ist sicher: Entweder ihrer ist der Sieg, oder zur Grabstätte wird das Meer ihnen allen. Und der Kampf tobt weiter. Vor dem gewaltigen Ansturm der vereinten Kräfte erbeben die Felsen.. Die Wellen ermatten. . . Doch nur für einen Augenblick. . . Sie prallen zurück und stürzen in rasendem Toben von neuem vor. Ein furchtbarer Wirrwar entsteht. Ein Brausen und Stürmen erfüllt die Luft, und es scheint, als ob das Meer sich erhöbe und mit dem Himmel in Eins zusammenflösse. Da---beim letzten Angriff lassen die Felsen nach. Sie zerbröckeln, lösen sich, brechen zusammen und stürzen in die Tiefe hinab, ins Grab der toten Wellen. „Hinweg! Hinweg, schmachvolle Leichen!" schreit das Meer den stürzenden Felsen zu. „Hier ist das Grab der jungen Wellen, das Grab der Freiheitskämpfer!*' Da öffnet sich der Meeresschlund und verschlingt unter Fluch die finsteren Felsen. Es jauchzt das Meer. Bezwungen hat es des Feindes gewaltige Macht. Und die Wellen fliessen fröhlich dahin und singen Hymnen den gefallenen Kämpfern, die ihnen die Freiheit eroberten. „Heil den Gefallenen — — den Lebenden die Freiheit!" " — — — — — — — Bezaubert hörte ich der wunderbaren nationalen Legende zu. Mit Entzücken sah ich die von Kraft und Mut strotzenden freien Wellen an. Ein blauer Himmel breitete sich über mir, unendlich, vom goldigen Licht der Maiensonne übergössen, lag vor mir das Meer. Von der Ferne ertönt das bunte Geräusch des Stadtlebens, Laute der gesättigten Zufriedenheit, das Sausen der „Nahaiki" (Knute), das Rasseln der Fesseln und Stöhnen . . . jammervolles Stöhnen. . . . .......Und mir ahnte, dass weit, weit im bläulichen Schimmer, ein Gewitter brauste. . . .... Oh, Menschen! Erbärmliche, elende Menschen! <»<ÄÄ>,» van Dyck. Gefangennahme Simsons.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.