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Ost und West · 1902-02-01 · Heft 2 (Februar 1902) · p. Seite 141 - 142

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 2 (Februar 1902)
Article
Revue der Presse.
Date
1902-02-01
Page
Seite 141 - 142 (sequence 2)
Language
German
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141 Revue der Presse. 142 „Thatsächlich ist der Grund der geringen Zunahme der Juden in Preussen in ihier alljährlich sich vermindernden natürlichen Vermehrung zu suchen. Dieselbe betrug 1896 1897 1898 1899 1900 2547 2412 2437 2049 1582 Seelen zusammen 11027, während die wirkliche Zunahme immerhin noch 12606 Seelen betrug, mithin stärker war als die natürliche Vermehrung. Da nun die Juden zudem allerdings durch Taufen und Auswanderirng verloren haben, so muss eine erhebliche Einwanderung stattgefunden haben, die offenbar in erster Linie aus den nichtpreussischen Staaten Deutschlands kam." * * Zur Jud eneinwan derungs-Frage in England, schreibt der Correspondent der „Welt" aus London: „Im Anschlüsse an die Massenversammlung, die vorige Woche im East End stattfand, und in der eine Resolution im Sinne der Schaffung eines Einwanderungsverbots angenommen wurde, hielten die Londoner Parlamentsmitglieder eine private Konferenz ah, in der sie den Beschluss fassten, im Unterhause ein Amendement zur Thronrede im Sinne der Beschlüsse des erwähnten Massenmeetings zu beantragen. Wie ich aus guter Quelle weiss, ist die Regierung geneigt, den Wünschen, die in der obenerwähnten einwanderungsfeindlichen Resolution ausgedrückt sind, zu willfahren. Die Debatte über die Einwanderungsfrage dürfte im Unterhause am nächsten Freitag abends eröffnet werden. Leider giebt es im Parlamente keinen einzigen jüdischen Abgeordneten von einiger rednerischer Begabung, so dass eine würdige und eingehende Behandlung der Frage von jüdischem Standpunkte nicht zu erwarten ist. Die Parlamentsmitglieder, welche das Amendement gegen die Einwanderung einbringen wollen, gehören der konservativen Partei an. Doch schliessen sich ihnen auch die imperialistischen Elemente der liberalen Partei an. * * * Ueber die offizielle russische Volkszählung vom Jahre 1897 publiziert soehen der „Woschod" folgende Ziffern betreffs der jüdischen Bevölkerung Russlands: Es lebten danach im russischen Reiche 5 189 401 Juden, was einem Prozentsatz von 4,13 der Gesamtbevölkerung entspräche. Von dieser Anzahl entfallen auf das europäische Russland (ausser Polen) 3 765 766 (4,03%), auf Polen 1 316 576 (14,01%), auf Kaukasien 58 471 (0,63%), auf Sibirien 34 477 (0,60%), auf Mittelasien 12 729 (0,16%). In den 15 Gouvernements des Ansiedelungsrayons lebten 4 874 636 Juden, also 95,9% aller Juden des europäischen Russland; sie bilden dort einen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung von 10,8. * * „Das jüdische Weltproletariat." Unter diesem Titel veröffentlicht die Pariser „Revue Blanche" einen Artikel von Henri Dagan, der mit der Legende aufräumt, als schwämmen die Juden im Ueberfluss, als bestände unter ihnen die den Christen abgehende Solidarität, als verabscheuten sie Handwerk und Ackerbau. An der Hand von statistischen Berichten aus Rumänien, Russland, Persien, Marokko, Algerien, New York, London und Paris wird die grosse Not unter den Juden, die zu % ungefähr arm sind, geschildert; die Not wäre undenkbar, wenn jene Solidarität wirklich vorhanden wäre. In Paris — was uns zunächst interessiert — giebt es wenigstens 50 000 Juden, darunter mindestens 20 000 Proletarier, Arbeiter und Handwerker, und eine Handvoll davon beschäftigt sich mit Börsengeschäften. Grosses Verdienst haben die jüdischen Handwerker sich um das Pariser Kappengeschäft erworben; früher bezog Paris seinen Bedarf aus Deutschland; jetzt versorgt es seine Radfahrer und „Auter" selbst. Im übrigen ist der jüdische Arbeiter, zumal in London, mehr als der christliche das Opfer des Schwitzsystems. * # „Jeschurun" (Organ für die geistigen und sozialen Interessen des Judentums, Posen) bringt einen Artikel zur Würdigung des fünften Zionisten-Kongresses, welchem wir den folgenden Passus entnehmen: Diese Idee der Gegenwartspolitik hat bereits innerhalb des Zionismus gute Früchte gezeitigt. Der Zionismus bekämpft sehr energisch das Prinzip des Wohlthatenübens in Form von blossen Almosen, vielmehr hält er es für eine weit grössere Wohlthat, den Juden zu zeigen, wie sie sich durch eine systematische Selbsthilfe in den verschiedensten Formen aufrichten können. Hierunter fallen die sogenannten sozialen Punkte, Errichtung von auf genossenschaftlicher Basis beruhenden Hilfskassen, Errichtung von jüdischen Volkshallen, namentlich in grossen Städten, um die Jugend vor der Verelend ung an Geist und Moral zu bewahren; hierunter gehören so viel andere Einrichtungen, welche der Zionismus in den Gemeinden erstrebt. Des Ferneren ist von grosser Bedeutung das Bestreben, das Judentum körperlich zu heben, damit die Spuren der langjährigen Knechtschaft, die nicht ohne Eindruck auf den grossen Volkskörper blieben, verschwinden. Ueber die Juden in China berichtet Dr. Karl von Scherzer in dem Jahresbericht der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung vou Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums": Auf Grund einer chinesischen Qelle wurde die Zahl der im chinesischen Reiche lebenden Israeliten auf mehr als eine halbe Million geschätzt, und es wurden daran die wunderlichsten Kombinationen geknüpft. Nach den von mir an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen und gemachten Erfahrungen dürfte jedoch diese Angabe jeder thatsächlichen Berechtigung enthehren. Ja, ich bekenne mich weit mehr zu der Ansicht des deutschen Gesandten Herrn von Brandt, mit welchem ich in China wiederholt zusammenzutreffen das Vergnügen hatte, dass die Zahl der in China lebenden Anhänger des mosaischen Glaubens dermalen nur eine sehr geringe ist. Hier blos ein Beispiel: Während meines Aufenthaltes in Peking kamen eines Morgens zwei Israeliten in das Hotel der britischen Gesandtschaft, deren Gastfreundschaft ich genossen, und boten mir eine riesige Rolle aus Schaffell zum Verkauf an, auf welcher die fünf Bücher Moses (Pentateuch) in sehr deutlicher hebräischer Schrift geschrieben waren. Die beiden jüdischen Abkömmlinge trugen chinesische Tracht, glichen aber in ihren Zügen weit mehr Mohammedanern als Chinesen, was wohl hauptsächlich daher kommen mochte, dass dieselben mehr mit den ersteren, als mit den letzteren sich vermischten. Ihr Gesicht war oblong, die Augen waren nicht geschlitzt, sondern gerade und tiefliegend, die Nase etwas gebogen, der I-Iaarwuchs am Kinn und an den Backen sehr reichlich. Sie

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