Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 839 - 840 (sequence 5)
- Language
- German
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839 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshiitte] Tempel- und Synagogenbauten. 840 Spitzbogen rahmt das Tympanon (Bogenfeld) ein. Dieses selbst wird völlig ausgefüllt mit einem prächtig stilisierten Weingeäste. Die Thüre ist überdies mit einfachem Beschlagswerk gotischer Formgebung versehen. Betrachten wir ein wenig das Innere und seine Kunstschätze. Der Almemor tritt, wie ja allenthalben im Mittelalter, auch hier in die Mitte, rundherum bis auf den Zugang von Sitzen umschlossen. Ein Metallgestänge bildet die obere Umhegung. Der Oraun hakaudesch ist vermöge einer Treppe zugänglich, zu deren Seite sich das Vorbeterpult befindet. Die Bundeslade zeigt in ihrer Architektur eine schlechte gotische Arbeit. Dagegen besitzt die Altneuschule prächtige Vorhänge, Poroches, die sowohl durch Alter als Ausstattung an Gold, Perlen und Edelsteinen bemerkenswert sind. Darunter am bedeutendsten der von dem Prager "Wohlthäter Mardochai Meisl gestiftete Vorhang. Das Andenken dieses im Jahre 1601 verstorbenen edelmütigen Mannes, dessen Vermögen später der königlichen Kasse anheimfiel, hat sich bis heute durch seine segensvollen Stiftungen erhalten. Die grösste Sehenswürdigkeit ist eine rote, mit Gold reich ausgestattete Fahne, auf deren Besitz die Prager Israeliten nicht wenig stolz sind. Dieselbe soll der Gemeinde nach der einen Version von Karl IV. gegeben worden sein, nach der anderen BaaiUmg. ISSC' Fig. 34, Portal der Altneusclml in Prag (nach J. Deutsch). war sie als Belohnung für das mutvolle Verhalten der Prager Juden während der Belagerung der Schweden im Jahre 1648 verliehen worden. Die Juden hatten sich damals durch gefahrvolle Fig. 37. Rabbinersitz in Rom. (Nach einer Photographie.) Brandlöscharbeiten ausgezeichnet, was mehrfach bezeugt ist. Ausserdem sollen die Juden damals die Erlaubnis erhalten haben, an ihrem Rathause einen noch heute vorhandenen Uhrturm mit Glocke anzubringen. Die Fahne weist eine hebräische Inschrift auf, die in der Uebersetzung etwa folgendermassen lautet: Herr der Heerscharen, dessen Herrlichkeit die Erde füllet! Im Jahre 1357 verliehen S. M. Kaiser Karl IV. den Juden Prags die Auszeichnung, eine Fahne führen zu dürfen. Dieselbe wurde unter Regierung weil. Kaiser Ferdinand erneuert. Durch die Länge der Zeit beschädigt, wird dieselbe nun zur Ehre unseres Herrn, Kaiser Karl IV. Majestät, Gott vermehre seine Herrlichkeit, aus Anlass der Geburt allerhöchstdessen erhabenen Sohnes Erzherzogs Leopold erneuert im Jahre „Sein Reich wird ewig (1716) bestehen".42) Peinlichst genau geschriebene Thorarollen, Armleuchter, die ewige Lampe vervollständigen Altertümer der Prager Josefstadt, S. 41. Daselbst ist die Jahreszahl in hebräischen Lettern angegeben.