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Ost und West · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. Seite 837 - 838

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-11-01
Page
Seite 837 - 838 (sequence 4)
Language
German
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837 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 838 Fig. 32. Ostfassade der Altneuschul in Prag (nach J. Deutsch. Andere Judenverfolgungen, so besonders unter "Wratislaw IT., hatten immer wieder die Synagogen, vor allem die berühmte Altneuschul, zum Mittelpunkt. Sehr übel wurde letztere im Jahre 1744 bei Räumung Prags durch die Preussen mitgenommen. Da heisst es u. a. in der Beschwerdeschrift der Juden an den Statthalter, dass nicht nur Silber, xAlmosengeld und Messing hinweggenommen war, sondern auch alle gestickten und gebrämten Vorhänge und Zehngebotbekleidungen, sowie auch Zehngebote selbst, und was man nicht habe mitschleppen können, das habe man zerrissen, zertreten und zerschnitten, das Gemäuer habe man rasiert und die Fenster und Schulstollen zerschmettert. Auch eine spätere Plünderung, z. Z. Maria Theresia's, sowie eine grosse Ueberschwemmung im Jahre 1784 fügten dem Gebäude grossen Schaden zu. Zur formalen Gestaltung des Bauwerks übergehend, nehmen wir sofort wahr, dass der Grundriss (Fig. 29) künstlerisch weit harmonischer durchgebildet ist, als derjenige der Synagoge zu "Worms. Das Ganze bietet sich als regelmässiges Viereck dar. Die Scheidung zwischen Männer- und Frauenraum zu ebener Erde ist "auch hier aufrecht erhalten. Die Männersynagoge ragt über den späteren Frauenbau, der sich um diesen Kern legt, um beträchtliches hinaus. Man gelangt zu beiden Räumen vermittels zweier im feüden gelegener, nach unten führender Eingänge mit Treppen. Die Synagoge selbst, deren Inneres (Fig. 30) ein Rechteck von 13,80 m Länge und 8,30 m Breite bildet, zeigt wie in Worms gleichfalls zwei durch 'zwei Säulen herbeigeführte Schiffe mit je drei Kreuzgewölben. Die Pfeiler haben achteckige Grundform. Die Gewölberippen setzen sich beiderseits auf blattverzierte Konsole aui (Fig. 31), deren Behandlung an Formen des Uebergangsstils anklingen, im wesentlichen aber frühgotischer Richtung sind. Der Querschnitt und Längsschnitt (Fig. 30) belehren uns über das konstruktive System. Man glaubt basilikale Beleuchtung vor sich zu haben, besonders wenn man den Querschnitt des Bauwerks oberflächlich betrachtet, doch ist zu beachten, dass die Annexbauten sowie die rohen Strebepfeiler spätere Zugaben sind. Das Aeussere (Fig. 32, 33) erscheint kahl und schmucklos. Die Lanzetfenster und das hohe Giebeldach mit seiner vertikalen Blendarchitektur verraten die Zeit der Entstehung. Der kostbarste Teil aber des gesamten Bauwerks ist die reizende gotische Eingangspforte, deren Schnitt und Ansicht die Fig. 34 wiedergiebt. Das Gewände zeigt eine einfache, aber feine Profilierung. Ebenso korrekt gestaltet sich der Aufbau mit den Pfeilern, deren Köpfe mit Weinlaubornamenten geziert sind. Ein reiner Fig. 33. Westfassade der Altneuschul in Prag (nach J. Deutsch).

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