Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 11 (November 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 833 - 834 (sequence 2)
- Language
- German
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833 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 834 Fig. 28. Inneres der S}^nagoge von Regensburg. (Nach einer Radi erring von A1 b r. AUdorfer. folgende Inschrift: Anno Dni DXIX. Iudaica. Ratispona Synagoga Justo Dei Judicio Fudit (us) Est Eversa. Drei runde Säulen bilden die Stützen, auch dieOraun hakaudesch-Architektur weist romanische Formen auf. Wenn man von den Details absieht, so erscheint die Uebereinstimmung mit der Prager Altneuschul unverkennbar, und man möchte versucht sein zu glauben, dass letztere eine gotische Uebersetzung der ersteren ist. Doch betrachten wir etwas näher die berühmte Altneuschul in Prag.39) Die Sage weist ihre Entstehung in eine unkontrollierbare Vorzeit zurück, überhaupt hat sich die Legende gerade dieses Gebäudes ganz besonders bemächtigt. •39) Allgem. Bauzeitung, Wien, 1845, S. 22; 1886, S. 64. Taf. 46—88. B. Foges, Altertümer der Prager Josefstadt. Prag 1855. S. 39. Ferd. B. Mikowec, Altertümer und Denkwürdigkeiten Böhmens, I S. 163, II S. 97, So soll dieselbe aui wunderbare Art direkt aus dem gelobten Lande importiert worden sein, während eine andere Version besagt, dass man die Synagoge fertig aufgefunden habe, als ein Hügel darüber abgetragen worden sei. Während so die widersinnigsten Annahmen Glauben fanden und bei gläubigen Gemütern noch heute finden, rechnet eine Bittschrift vom 10. Januar 1690 wenigstens mit Zahlen. Danach sollte die Synagoge damals bereits über 900 Jahre bestanden haben und ihr Wert wird auf über 6000 Gulden angegeben. Der Topograph P. Jaroslaw Schaller schreibt, dass die Synagoge 71 Jahre vor der Ankunft der Slaven nach Böhmen erbaut sein müsse, d. i. im Jahre 463, eine Annahme, die bereits Schottky40) zurückweist, indem er bemerkt: Diese Synagoge ist allerdings ein alter, und zwar ein so schöner und merkwürdiger Bau, dass ich es unbegreiflich finde, wie bis jetzt — ausser den Schaller'schen unkritischen Zeilen — auch kein Wort über sie gedruckt wurde. Sie ist in keiner Schilderung Prags, in keiner Reisebeschreibung mit einem Jota erwähnt, und doch muss sich ieder Kenner auf den ersten Blick überzeugen, dass sie zu den interessantesten Gebäuden der Stadt, und zwar in jene Zeit gehört, wo der byzantinische Baustil in den gotischen überzugehen begann; sie scheint zwischen 1100 und 1150 erbaut worden zu sein! Abgesehen nun davon, dass Schottky den romanischen mit dem byzantinischen Stil ver- 40) Schottky, Die karolingische Zeit. S. 229. «■^ jfa Jbrn/t»m*r2 t&ajS*/, Fig. 29. Altneuschul in Prag (nach J. Deutsch).