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Ost und West · 1901-11-01 · Heft 11 (November 1901) · p. Seite 831 - 832

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 11 (November 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-11-01
Page
Seite 831 - 832 (sequence 1)
Language
German
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831 832 STIFTSHUETTE, TEMPEL- UND SYNAGOGENBAUTEN. Von Professor Dr. D. Joseph. (Schluss.) Mehrere künstlerisch gearbeitete Pokale mit den Namen der damaligen Mitglieder besitzt der israelitische Männer-Wohlthätigkeitsverein in Worms. Diese Pokale gehören dem 17. und 18. Jahrhundert an. Am Brunnen auf dem Synagogenhofe befindet sich noch der aus dem Mittelalter stammende kupferne Kessel. Zweier Sagen mag hier noch Erwähnung geschehen, von denen die eine sich auf eine noch heute sichtbare Einbuchtung an der Ostmauer der Frauensynagoge, die andere auf die genannte Thorarolle bezieht. Von letzterer berichtet das Maasse Nissim, d. h. Erzählung der Wunderbegebenheiten: Auf den Wellen des Rheins kam eine Kiste dahergeschwommen, und als dies von den Uferbewohnern gesehen wurde, bestiegen sie ihre Kähne, um dieselbe ans Land zu bringen; vergebens aber waren deren Mühen, derselben habhaft zu werden; nun bestieg denn alles, was nur das Ruder zu führen wusste, die Nachen; ein jeder wollte sein Heil versuchen; doch niemandem gelang es, nur in deren Nähe zu kommen, ja selbst den kundigsten Schiffern wich sie stets aus; bis endlich Israeliten sich entschlossen, einen gleichenVersuch zu machen; und kaum hatten sie den Nachen bestiegen, da ruhten die schäumenden Wellen, und die wildtobende Flut verwandelte sich in einen klaren, silberhellen Spiegel. Der von allen ersehnte, nicht zu erreichende Gegenstand schwamm ihnen gleichsam entgegen. Sie ergriffen ihn und fanden eine auf Hirsch pergament geschriebene Thora. Diese wird, wie bereits oben erwähnt, als ein eigenes Werk dem berühmten Mahram, eig. Rabbi Meier aus Rothenburg zugeschrieben, der dieselbe während seiner Gefangenschaft in die Fluten des Rheins gestürzt haben soll. Zu der Vertiefung in der Ostmauer erzählt die Sage folgendes: Die Mutter des berühmten Regensburger Rabbi Jehuda Hachasid (gest. 1217) sah einem freudigen Ereignis entgegen und kam durch die enge Gasse, um im Tempel ihr Gebet zu verrichten. Noch hatte sie das Gässchen nicht verlassen, da raste ein von scheuen Pferden gezogener Wagen, dessen Führer es auf die Vernichtung des Judenweibes abgesehen hatte, heran und drohte das zwiefache Menschenleben zu zermalmen. Da sie keinen Ausweg sah, befahl sie Gott ihre Seele und, siehe da, die Mauer der Synagoge wich zurück um soviel, als zum Schutze vor dem Gefährt erforderlich war. So wurde der genannte berühmte Gelehrte der Nachwelt erhalten. Die Mauervertiefung, von der hier die Rede ist, erscheint auch auf dem in Fig. 18 dargestellten Grundriss markiert. Wie die alten Synagogen von Worms und Speyer war die heute nicht mehr vorhandene vSynagoge zu Regensburg ein romanischer Bau, der zwar i. J. 1519 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen, uns jedoch in zwei künstlerisch angelegten Abbildungen von der kunstgeübten Hand Meister Albrecht Altdorfer's erhalten geblieben ist. Die prächtigen Perspektiven, welche die hübsche Vorhalle (Fig. 27) und das wohl gegliederte Innere (Fig. 28) wiedergeben, entheben uns aller Beschreibung. Die Blätter sind mit dem bekannten Monogramm des Meisters versehen und wir lesen auf dem einen Blatte Fig. 27, Vorhalle der Sj^nagoge von Regensburg. (£ach einer Radierung von Albr. Altdorf er).

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