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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 789 - 790

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Revue der Presse
Date
1901-10-01
Page
Seite 789 - 790 (sequence 2)
Language
German
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789 Revue der Presse. 790 Am 3. Mai 1611 kauften einige aus Portugal eingewanderte jüdische Familien, die sich in Hamburg niedergelassen hatten, von dem -Olafen Ernst von Schauenburg ein Stück Land, um ihre Toten daselbst beerdigen zu können. Das ihnen damals erteilte Privilegium ist im Jahre 1641 vom König Christian IV. von Dänemark bestätigt worden. Aus „Oesterreichische Wochenschrift": In der „Deutschen Zeitung" schreibt ein Herr F. B^ Gunther Reiseberichte aus dem Salzkammergute. Der edle Arier vergönnt sich auf seinen Kreuz- und Ouerfahrten einen ganz eigenen Gehuss. Er besteigt nicht die Alpenriesen, er bewundert nicht die Majestät der Gletscher, er erquickt sich nicht an dem saftigen Grün der Matten und dem tiefen Blau der herrlichen Seen — er sucht im Thal und auf den Höhen nur nach Juden und schimpft über sie wie ein Rohrspatz. Im Angesichte des Dachsteingletschers, an dem wundervollen Alt-Ausseer-See sass er eines Tages mit zwei Gleichgesinnten und erwog in seiner treuen germanischen Brust die Frage, wie denn das Salzkammergut judenrein zu machen sei. Und ein zweiter des ehrsamen Kleeblattes gab darauf eine wahrhaft köstliche Antwort; eine Antwort, die den Biedersinn, den Idealismus, die Selbstlosigkeit unserer wackeren arischen Aelpler gar merkwürdig illustriert. Die Judenreinheit, meinte der „Gleichgesinnte", sei nur dadurch zu erzielen, „dass man den Einwohnern von vornherein reichlichen und sicheren. Ersatz für den Geldentgang (!) bieten könnte, den sie durch das Ausbleiben der Juden zu erleiden fürchten!" Und weiter setzte er mit erbaulicher Naivität hinzu: „Mit politischer Aufklärung allein ist bei den Bauern des Salzkammergutes nichts auszurichten, zu oberst steht ihnen der Profit!" „Mit den Bauern," meinte er schliesslich, „ist darob nicht allzu scharf ins Gericht zu gehen, an den wohlhabenden Städtern wäre es, durch praktischen Antisemitismus einen der prächtigsten Flecken deutschen Landes von fremden Schmarotzern zu säubern. Aber freilich — praktischer Antisemitismus! Aber ist der heute zu finden? Dass Gott erbarm!" Wieder einmal behauptet die „Deutsche Zeitung" den Rekord des dümmsten Blattes von Wien. Sie nennt die ^Juden „fremde Schmarotzer", obwohl der oberösterreichische Bauer durch ihr Ausbleiben den Entgang eines reichen Profits fürchtet. Der Bauer ist nun freilich ein Simpel, aber auch bei den wohlhabenden Ariern aus der Stadt sieht es mit dem antisemitischen Opfermut sehr windig aus. Wenn der Bauer auf den Profit schaut, so trägt dagegen der städtische Antisemit Bedenken, sich von seinem ländlichen Gesin nungsgenossen die Haut über die Ohren ziehen zu lassen. So dumm ist nur der „ausbeuterische" Jude, der sein gutes Geld zu seinen, schlimmsten Feinden trägt. Eine in mehrfacher Beziehung interessante Notiz aus Lemjberg bringt das „Deutsche Volksblatt", (Wien, 10. September 1901), unter der Spitzmarke: „Geschäfte ein es Rabbiners". Der Strike der bei dem jüdischen Rabbiner Rohatyn, welcher Kasernen für das Staatsärar baut, beschäftigten Arbeiter ist vorläufig beendet. Der Jude erhöhte den Arbeitern den Lohn um 15 Prozent, doch mussten sie sich schriftlich verpflichten, den Schabbes zu „heiligen", das heisst, am Samstag die Arbeit ruhen zu lassen und keine Entschädigung für den verlorenen Arbeitstag zu fordern. Die „Staatsbürger=Zeitung", Berlin, schreibt: „Einspruch gegen die Annahme deutscher Familiennamen durch Juden- Der Hamburger Senat hatte dortigen Juden wiederholt gestattet, den Namen Wedekind, anzunehmen. Nun veröffentlicht der Familienrat der Familie Wedekind folgende Protesterklärung: „Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat durch Verleihungen an Dritte wiederholt über den Namen Wedekind verfügt unter Nichtbeachtung derjenigen Familie, die kraft uralter niedersächsischer Abstammung diesen Namen seit Jahrhunderten führt. Derlei Vorgänge verletzen unseres Erachtens nicht bloss die einzelnen davon Betroffenen, sondern haben weit über den besonderen Fall hinaus grundsätzliche Bedeutung: Sie legen die Keime schwerster Gefahren für deutschen Familiensinn und deutsches Volkstum. Die Reichsgesetze gewähren uns keinen Schutz, und unsere Beschwerde beim Hamburger Senat ist erfolglos geblieben. Wir nehmen deshalb Veranlassung, öffentlich zu erklären, dass wir gegen die erfolgten Verleihungen unseres Namens protestieren und das Geschehene auf das tiefste beklagen. Der Familienrat der Familie Wedekind zu Horst: Landgerichtsrat E. Wedekind zu Danzig, Syndikus; Wilhelm Freiherr v. Wedekind zu Darmstadt, Senior; Professor L. Wedekind zu Karlsruhe i. B., Subsenior." — Bekanntlich war es in dem Falle Levy von Halle ganz ebenso; auch da nützte die Beschwerde der deutschen Familienangehörigen nichts. Nicht einmal die deutschen Namen bleiben unangetastet von der Begehrlichkeit des Judentums! In der That, das ist eine Gefahr für Deutschtum und deutsches Familienleben! Endlich wird man ja wohl einsehen, dass wir Antisemiten mit unseren Warnungen vor der jüdischen Gefahr durchaus im Rechte sind und nicht übertreiben, wenn wir sagen, dass das Judentum seine gierigen Finger nach allem ausstreckt, was uns heilig und wert ist!".....Heilig ist gut! „Die Deborah" (Cincinnati): Wie bekannt, hat die Leipziger Bank am 26. Juni Konkurs angemeldet, wobei sich herausstellte, dass die Leitung der Kasseler Trebertrocknungs-Gesellschaft 87 Millionen Mark geliehen hatte, während ihr Aktienkapital und die Reserven nur 64 Millionen betragen. Die Einleger werden jeden Pfennig verlieren. Nun war dieses Institut ganz in den Händen von guten Christen und Antisemiten; ein Jude konnte dort nicht einmal das Amt eines Boten erhalten. Da schien es denn anfangs unmöglich, den jüdischen Schacher- und Mammonsgeist für die Katastrophe verantwortlich zu machen. Nun hat die „Evangelische Kirchenzeitung", das Organ des Ultramuckertums, die nötige Formel gefunden. Die Juden sind denn doch an der Sache schuld, denn, wenn die verbrecherischen Bankdirektoren nicht Antisemiten gewesen wären, hätten die Berliner Hochfinanziers geholfen. Das will sich die höhere Moral nennen, die das alte Testament korrigiert hat, indem sie lehrte: „Wer seinen Nebenmenschen beschimpft, ist ein Mörder" (Matth. 5, 21). „Die Post", Berlin, den 8. September 1901: Eine Jüdin auf dem Throne von Bulgarien. Dass einmal ein Jude auf dem polnischen Königsthron, wenn auch nur für eine Nacht, gesessen hat, dürfte aus der schönen Erzählung Aron Bernstein's „Mendel Gibbor" bekannt sein. Unter den jüdischen Bewohnern Polens ist die Erinnerung an diesen König von einer Nacht, der den Namen „Saul Wahl" führte, noch lebhaft. Dass aber auch eine Jüdin einmal Königin

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