Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 791 - 792

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Revue der Presse
Date
1901-10-01
Page
Seite 791 - 792 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
table
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2583876-2583887--00985-2584607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

791 Revue der Presse. 792 von Bulgarien, und zwar während ihrer ganzen Lebenszeit gewesen ist, darüber macht die „Revue des Ecoles de TAlliance israelite" eine interessante Mitteilung. Jene Jüdin war die Gemahlin des bulgarischen Königs Iwan Alexander, der um die Mitte des 14. Jahrhunderts regierte. Sie hiess mit ihrem Geburtsnamen Sara; sie war von ausserordentlicher Schönheit und bezauberte hierdurch den König so, dass er seine Gemahlin Theodora verstiess und die schöne Sara, die vorher ihren Glauben ablegen musste, zu seiner Gattin machte, worauf auch sie den Namen Theodora annahm. Sie wurde nun eine fanatische Christin und widersetzte sich nicht den Verfolgungen, denen die Juden ihres Landes ausgesetzt waren. Nur einmal, als drei Juden der Residenzstadt Tirnowo wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt wurden, gelang es ihr, die Todesstrafe in schwere Körperstrafe umzuwandeln. Aber die Bevölkerung von Tirnowo stürzte sich auf die drei Juden und misshandelte sie in der furchtbarsten Weise. Die jüdische Gemeinde in Tirnowo löste sich infolge dieser Verfolgungen auf, und es ist bemerkenswert, dass auch heute noch in der Stadt keine jüdische Gemeinde vorhanden ist, während in anderen Städten Bulgariens solche existieren. Aber der jüdische Friedhof steht noch, und er reicht bis in jene Zeit hinauf. Auch die Erinnerung an „die schöne Jüdin von Bulgarien" ist wach geblieben, und vor kurzem hat der bulgarische Professor der Theologie Popow die geschichtlichen Beweise für die Wahrheit dieser Erzählung von der „jüdischen Königin auf dem bulgarischen Thron" gesammelt. Posener Neueste Nachrichten (Posen, 19. September 1901): Die Liquidation des Rothschild'sehen Stammhauses in Frankfurt a. M. scheint in verhältnismässig kurzer Zeit ihrem Ende nahegeführt worden zu sein, denn Herr Nauheim, der Bevollmächtigte des Londoner Hauses, hat in dieser Woche Frankfurt a. M. nach mehrmonatigem Aufenthalt wieder verlassen. Das Bedauern, dass es nicht gelungen ist, der Mainstadt ihre vornehmste Firma und mit ihr eine bedeutende Tradition der deutschen Finanzen zu erhalten, wird übrigens bei dem neuen Budget der Frankfurter Kommune noch lebhaft in Ziffern zum Ausdruck kommen, denn die Rothschilds waren zwar nicht die ersten, aber doch unter den ersten Steuerzahlern der Stadt, die Firma beschäftigte sich ja unter ihrem letzten Leiter nur jnit Vermögensverwaltung und war neuen Unternehmungen grundsätzlich entgegen, aber immerhin ist der Betrag, der dem Stadtsäckel und dem Fiskus verloren geht, nicht sehr weit von einer halben Million Mark pro Jahr entfernt. Als Nb. 1 in der Steuerrolle figuriert das Haus Casella. Volkszeitung (Berlin, 19. September 1901): Antisemitisches aus Dresden. Gegen verschiedene Dresdener Blätter war der Vorwurf erhoben worden, dass sie bezw. einzelne ihrer Redakteure Vertuschungsgelder von der Dresdener Kredit-Anstalt angenommen hätten. Der Ortsverband Dresden der „Pensionsanstalt Deutscher Schriftsteller und Journalisten" hatte daraufhin mit unheimlicher Eile eine geharnischte Erklärung zu Gunsten der Tugendboldigkeit der Angegriffenen erlassen. Jetzt wird die Entlassung dreier Handelsredakteure von drei Dresdener Blättern gemeldet. Es handelt sich dabei um konservativ-antisemitisch-nationalliberale Organe, also Blätter, die gegen die „Korruption" der Börsen-Interessenten im Stil der antisemitischen Sittlichkeitsverfechter zu wettern pflegten. Die Reihe der plötzlich Kaltgestellten soll noch nicht erschöpft sein. Dass in Dresden, einer Hochburg des Antisemitismus und der Reaktion, so etwas passieren muss. Wir gratulieren. *u * ifi V'm * (Ti "** V« * m * f*» V O i < Yni^~^jf iijHrifYfr^r^ Abonnementspreis für das Halbjahr in Deutschland und Oesterreich Mark 3,50, für das Ausland Mark 4,— für Russland ganzjährig 4 Rubel, halbjährlich 2 Rubel. Einzelhefte ä 35 Kop. -------Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes, durch aLle Postämter des Deutschen---—^_ -——~-~~---Reiches unter No. 5785a der Postzeitungsliste und durch die Expedition dieser Zeitschrift. —■-■-■---- Anzeigen so Pfg. die viergespaltene Nonpareillezeile, grössere Anzeigen nach Tarif, bei Wiederholungen Rabatt. Stelen-Gesuche und -Angebote zum halben Preise. Adresse für die gesamte Korrespondenz: S. CALVARY & Co. (Inh. HUGO BLOCH) Verlagsbuchhandlung und Antiquariat, Berlin KW., Heue Wilhelmstrasse L *^mj****m^****j*+**+**+^mJ*+^+^^ Von dem Artikel in Heft 7 von „Ost und West" w E. M. LILIEN" ist ein erweiterter Separat-Abzug auf Kunstdruckpapier und in grösserem Format in 200 Exemplaren hergestellt worden, die zum Preise von ä 1 Mk. vom Verlage oder durch die Buchhandlungen zu beziehen sind. UNO Illustrierte Monatsschrift | FÜR MODERNES , JUDENTUM. Verantwortlicher Redakteur: Leo Winz, Berlin W., Wilmersdorferstr. 117. — Verlag|von S.'Calvary & Co., Berlin NW. 7. Für den Anzeigenteil verantwortlich: Hugo Bloch, Berlin. — Druck von Pass & Garleb, Berlin W 35.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.