Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 749 - 750 (sequence 9)
- Language
- German
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749 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagog-enbauten. 750 i'H I 1 J 1 I i f Fig. 24. Querschnitt durch die Raschikapelle zu Worms. der Rundbogenfenster ist vollkommen aus den Abbildungen ersichtlich. Genau in der Mitte der Peripherie des Halbrunds befindet sich der Stuhl, von dem aus der berühmte Rabbi Raschi gelehrt haben soll37) (Fig 25.) Der Sitz selbst, auf den zwei Stufen hinanführen, ist in die halbrund vertiefte Mauernische eingelassen und mit verzierten "Wangen versehen. Diese Stätte wird als besonders weihevoll angesehen. Das Aeussere (Fig. 26) des nur aus einem Erdgeschoss bestehenden und mit Ziegelsteindach abgedeckten Gebäudes ist sehr kahl gehalten; nur die Eingangsthür hat eine architektonische Umrahmung, die auf besondere Schönheit keinen Anspruch zu erheben vermag. Von nennenswerten Kunstobjekten führe'n wir auf: die zehn Messingleuchter der Männersynagoge und die sechs der Frauensynagoge, welche etwa in die Zeit des 17. Jahrhunderts fallen mögen. Von diesen Leuchtern sagt Wörner:38) „Als Bekrönung tragen sie meistens den Reichsadler; einer der grösseren hat an dessen Stelle einen altertümlichen Adler, sitzend, auf dem eine männliche Figur mit dem Blitzstrahl in der Rechten reitet." An anderen Leuchtern ist manches ergänzt und neueren Datums, namentlich die Adler mit den aus- 37) Die Beweise für die Anwesenheit Raschid, eigentlich Rabbi Salomo Jizchaki, geb. 1105, gestorb. 1180 zu Troyes in Frankreich, hat Dr. Lew)^sohn a. a. O. S. 100 f. zusammengestellt. Dagegen Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums, 1896, S. 513, Hiernach hätte die Raschikapelle nichts mit Raschi zu thun, was ja mit dem Entstehungs-Datum des vorhandenen Baues übereinstimmen würde. Vielleicht klingt in der Sage die Erinnerung an ein älteres Gebäude wieder. Auf eine, soeben erschienene Schrift Abr. Epsteins „Die nach Raschi benannten Gebäude in Worms" Wien, 1901, kann nur hingewiesen werden. 38) Kunstdenkmäler im Grossherzogtum Hessen, a. a. O. S. 263. gebreiteten Flügeln und einer reitenden Figur in der Männersynagoge und ein Adler ■ in der Frauensynagoge. Besonders hübsch ist der Kandelaber rechts von der Lade, er wurde 1656 geweiht. Die Gemeinde von Worms ist auch im Besitze mehrerer merkwürdiger Vorhänge (Paroches) Fig. 25. Sog. Stuhl Raschi's zu Worms. für die heilige Lade und von Bekleidungen für die Thorarollen, die mehrfach auf ein hohes Alter zurückblicken können. Sehr berühmt ist die Thorarolle, von der erklärt wird, dass sie Fig. 26. Raschikapelle zu Worms.