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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 747 - 748

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-10-01
Page
Seite 747 - 748 (sequence 8)
Language
German
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747 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 743 hat er mit Glauben das Herz seines Dieners, des Jakob, eines Sohnes Davids, auf dass dieser, mit Einsicht begabt, seinem erhabenen Namen einen Tempel errichte, und mit ihm seine Gattin Rahel, hochgeachtet zwischen den Glücklichen. Ihr Vermögen diente zur Ehre, zur Freude Gottes; ausschmückend, verschönerten sie den Tempel, der im Elul 794 seine Vollendung erreichte. Lieblicher denn Opfer gefiel es dem Schöpfer, lieblicher als Söhne und Töchter empfingen sie ewigen Ruf, Denkmal und freudigen Glückwunsch. Gesegnet sei ihr Andenken, und wer dies liest, der spreche: Amen!" Aus dieser Inschrift erfahren wir, dass der Tempel 1060 n. Chr. vollendet wurde, zugleich aber wird uns bekannt, dass es sich hier im wesentlichen um den Wiederaufbau einer älteren Anlage handelt, die im Jahre 1034 errichtet worden sein mag.36) Mar Jacob, der Sohn Davids, und seine Frau Rahel sind die Stifter. Dass aber auch dieser Bau sehr bald, wenigstens architektonisch, umgebildet wurde, erkennen wir an der tektonischen Formgebung der heute noch vorhandenen Teile, die ins Ende der romanischen Periode zu setzen sind. Nur die Steine an der Ostwand zeigen die dem frühen Mittelalter eigentümliche Bearbeitung. Das Andenken des vStifters wird noch heutzutage jeden Sonnabend in der Wormser Gemeinde durch ein besonderes Gebet geehrt. Das Aeussere des schmucklosen Männerbaus giebt, abgesehen von dem bereits beschriebenen Hauptyortal und der karniesgeschmückten, im Osten hervortretenden Nische, keine Veranlassung zur Begeisterung in künstlerischer Hinsicht. Der Frauenbau schliesst sich im Norden an den Männerbau unter rechtem Winkel an (Fig. 18, II). Vier durch Gurtbogen getrennte Kreuzgewölbe überdecken den Raum und stützen sich einerseits auf eine einzige Mittelsäule, andererseits auf Wandkonsole (Fig. 18, VII). An seiner Südseite öffnet sich der Bau in zwei Spitzbogen nach der Männersynagoge, während der Eingang (Fig. 21) in entgegengesetzter Richtung sich befindet, von der Strasse aus zugänglich ist und einer kleinen Vorhalle angehört. Da die Formen der Architektur dieses Portals in den Uebergangsstil passen, so muss man annehmen, dass wir es hier mit den ältesten Resten des Frauenbaus zu thun haben. Ueber dieser Vorhalle befindet sich ein zweiter Stock, dessen Fenster aus der Zeit des 17. Jahrhunderts stammen. Aelter aber wie diese sind die spitzbogigen Fenster des Hauptraumes. Im Westen befindet sich eine Blendarkadenstellung mit drei Bogen auf. gotischen Pilastern. Steinerne Bänke schmiegen sich in die Blenden ein. Diese unscheinbaren Bänke hatten ehedem eine gewisse Bedeutung,, so waren die Gemeindemitglieder angewiesen, am Sabbat nach dem Gebet voh hier aus gegebenenfalls Leidtragenden Trost zuzusprechen, auch wurden hier gewisse Akte vorgenommen, wenn es sich um Ehescheidungen handelte. Von einem Frauenbau und seinen Stiftern Meir und dessen Ehefrau Judith spricht eine im äusseren Vorhofe vorhandene lädierte Inschrift. Danach ist das Gebäude 1213 erbaut worden, doch wurde die Synagoge 1349 zerstört, so dass es fraglich bleibt, wieviel sich von dem ursprünglichen Bau bis auf unsere Zeit hinübergerettet hat. Die Vorhalle stammt etwa aus dem 17. Jahrhundert. Die Raschikapelle schliesst sich, wie bereits erwähnt, westlich an den Männerbau an. Dieselbe ist verhältnismässig spät, erst im Jahre 1624 durch David ben Josua Joseph Oppenheim errichtet. Der Grundriss (Fig. 18,. IV) zeigt uns einenrechteckigen, westlich halbrund geschlossenen Raum, der mit zwei spätgotischen Kreuzgewölben überdeckt ist. Eine einfache, mit einem Schlussstein versehene Rippe (Fig. 23) trennt beide Gewölbe. An den Wänden ziehen sich steinerne Bänke entlang. Fünf Fenster tragen dem Räume, dessen Längs- (Fig. 23) und Querschnitt (Fig. 24) wir darstellen, genügendes Licht zu. Die Gestalt 3G) Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Breslau 1896. S. 512. In dieser Abhandlung werden die Inschriften einer erneuten .Korrektur unterzogen und vieles richtig gestellt. '5J Grofu Fig. 23, Längsschnitt durch die TRaschikapelle zu Worms.

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