Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 745 - 746 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2583876-2583887-2584507--00909-2584584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
745 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 746 Wandkonsole (Fig. 18, VI), andererseits auf die genannten beiden Säulen auf. Fig. 19, welche einen Blick in das Innere gewährt, zeigt den Säulenfuss auf mehrfachein Aufbau, Eckblätter Fig. 21. Portal des Frauenhauses der Synagoge zu Worms. vermitteln den Uebergang zum Säulenstamm und auf diesen setzt sich das reichornamentierte Kapitell, dessen Dekoration aus der hier beigegebenen Abbildung (Fig. 22) klar ersichtlich ist. Diese Kelchkapitelle haben über sich die Fig. 22. Worin's Säulenkap [teil des Männerbaues. (Nach Härtel-Joseph). palmettenverzierten Kämpfergehäuse mit Deckplatten. Die östliche Deckplatte hat eine an allen vier Seiten gleichlautende Inschrift, die westliche begnügt sich mit einem geradlinigen Flechtband. Der Zugang zu dem Oraun hakaudesch, der heiligen Lade, wird durch einen mehrstufigen Vorbau vermittelt, in dessen vorderer Seite das Pult für den Cantor angeordnet ist. In der Mitte des Männerbaus aber befindet sich der Almemor in kunstvollem Aufbau, der jedoch nicht mehr der alte im 17. Jahrhundert entstandene und durch. Feuer und Schwert vernichtete ist. Jener ältere Werk verdankte seine Entstehung des Munificenz des Vorstehers David Oppenheim, von dem das Memorialbuch erwähnt, dass er ausser dem Almemor auch die Jeschiba (Schule) hinter der Synagoge, sowie das Haus auf dem Friedhof habe erbauen lassen, ferner schenkte er der Synagoge eine wertvolle Thorarolle mit allen dazugehörigen silbernen Geräten. Auch zum Synagogenbau selbst gab er 100 Königsthaler. Der wohlthätige Mann starb 1642. Uralt wie die jüdische Gemeinde in Worms ist auch die Synagoge daselbst, und unmöglich ist es, beide Daten genau zu bestimmen. Zur Baugeschichte der Synagoge muss eine Inschrift von Wichtigkeit herbeigezogen werden. Dieselbe lautet in der etwas schwerfälligen Uebersetzung:35) „Von der Sehnsucht nach dem Vorhof des Tempels errichtet, stehe das Zeugnis da in Joseph! Gottesfürchtige Ihr, schaut aufwärts zum Felsen, zur Schrift ihm eingegraben. Den Inhalt beweist, ruft und bezeugt der Stein aus der Wand, der Balken aus dem Gehölz. Tief grub er bis zum Grunde und führte aufwärts das Gewölbe, einwärts führt ein gerader Weg und die Wand erhebt sich aus früheren Trümmern. Dieses Alles auf Kosten seines Geldes, auf dass er im Schatten der Weisheit eine Hütte sich schaffe, unter dem ästigen Baum, in jener Höhe errichtet —, dort wo beim Aufgang der Sonne das Licht ihm schön erglänzt, dass Schatten ihm werde in der Hütte, von der Hand dessen, über welchen die Freunde die Lose werfend, würdig zur Teilung im Kreise sich setzen. Geniessen wird er der Freuden Fülle; einem Gurte gleich wird Tugend um seine Lenden, Treue um seine Hüften sich schliessen. Gepriesen in Ewigkeit der, welcher das Flehen erhöret! Denn erfüllet 35) Dr. L. Levysohn, Sechzig Epitaphien von Grabsteinen des israel. Friedhofes zu Worms. 1855. S. 104.