Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 1 (1901)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1901)
- Article
- Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
- Date
- 1901-10-01
- Page
- Seite 743 - 744 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2583875-2583876-2583887-2584507--00908-2584583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
743 Professoi Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 744 kleineren. Gemeinden unserer Zeit angenommen worden; doch findet sie in der Regel keine Beachtung mehr, wo es sich um Neubauten handelt. Die Oeffnungen zwischen dem Frauen- und Männerraum sind entweder vergittert oder verhängt, eine in kleineren Städten noch heute anzutreffende Anordnung. Ein Hauptdenkmal mittelalterlichen Synagogenbaues und das älteste in Deutschland überhaupt ist die SynagogezuWorms.34) (Fig. 18.) Wir haben hierzu unterscheiden den älteren Männerbau, den jüngeren Frauenbau und die noch jüngere Raschikapelle. Der eigentliche Synagogenbau (Fig. 19), ausschliesslich zum Gebrauche [für [die männlichen Mitglieder der Gemeinde eingerichtet, wird durch zwei Säulen in zwei Schiffe geteilt, die durch je drei Kreuzgewölbe überdeckt werden. Im Aeussern der östlichen Seite [ist ein rundlicher Anbau sichtbar. Dieser seiner ganzen Anlage nach romanische Bau zeigt im Süden [drei im Spitzbogen abgeschlossene Fenster mit geraden Laibungen, im Osten gleichfalls zwei spitzbogige Fenster und Fig. 19. Querschnitt des Männerhauses der Synagoge zu Worms. 34) Die Juden in Worms, von M. Mannheimer. Frankfurt a. M. 1842. Denkmäler der deutschen Baukunst herausgeb. Abb. vom Verein für die Aufnahme mittelalterlicher Kunstwerke. Darmstadt I. 1856. Taf. 9—11. Kunstdenkmäler im Grossherzogtum Hessen. Darmstadt 1887. Kreis Worms. S. 258 ff. Kirchliche Baukunst des Mittelalters. Von *A. Härtel und D. Joseph. Berlin 1896. S. 3 ff. Grundriss. Fig. 20. Portal des Männerhauses zu Worms. dazwischen das Allerheiligste, ausgebildet als halbrunde Nische, mit Rundbogen auf Wandpilastern, gegenüber im Westen entsprechen den obengenannten Fenstern zwei spitzbogige Fenster von einfacherer Gestaltung, dieselben beginnen erst hoch oben und zeigen noch den Einschnitt des Daches der sich an diese Seite anlegenden Raschikapelle. Im Norden öffnet sich das bemerkenswerte romanische Portal (Fig. 20). Die Wandungen werden jederseits durch Rundsäule und Pilasterbildung geziert, deren Kapitelle mit Kelch und Palmette dekoriert sind. Darüber erhebt sich in rechteckiger Umrahmung ein kräftig profilierter Rundbogen. Hebräische Inschriften bedecken die Bauteile allenthalben, so auch das aus verschiedenen Sandsteinsorten hergestellte Hauptportal. Ein anderes Portal (Fig. 21)istnochim Süden vorhanden, ein drittes in der Wand nach der Raschikapelle zu wurde vermauert, als diese angebaut wurde. Die Kreuzgewölbe setzen sich einerseits auf