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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 739 - 740

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-10-01
Page
Seite 739 - 740 (sequence 4)
Language
German
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739 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten. 740 kurzer Dauer, da Kaiser Vespasian ihn bereits i. J. 73 n. Chr. dem jüdischen Gottesdienst entzog. Das merkwürdige Gotteshaus hatte mit dem in Jerusalem gemeinsam, dass die Andächtigen von nah und fern an den hohen Festtagen sich in Prozession dorthin begaben. Wir haben es hier also mit einem Pilger-Tempel zu thun. Berühmt waren auch die mit Säulenhallen umgebenen Synagogen zu Antiochien und Alexandrien, welch' letztere als basilikale Anlage bekannt ist. Iii Palästina selbst hatte sich das System des Bedürfnisbaues bereits derart ausgebildet, dass je nach Maassgabe der Seelenzahl eine oder mehrere Synagogen in den Städten errichtet wurden, so z. B. die Synagoge des Rabbi Meir in Tiberias. Entsprechend den gegen Jerusalem veränderten Einrichtungen wurden hier die gottesdienstlichen Handlungen umgestaltet. Das Vorlesen der Thora trat solchergestalt in den Vordergrund und beherrschte den Charakter des Gottesdienstes. Während nun die verschiedenen Tempel zu Jerusalem mit ihrem Tieropferdienst nur sehr schwache Beziehungen zu unseren heutigen Synagogen aufweisen, erkennen wir, namentlich was die Gestaltung des jüdischen Gotteshauses im Mittelalter und des heutigen orthodoxen Judentums anbetrifft, manche Anknüpfungspunkte hinsichtlich derjenigen Gebetstätten der Israeliten, in denen das bereits erwähnte Vorlesen aus der Thora einen wesentlichen Bestandteil bildet. Es ist gewiss zu bedauern, dass sich von jenen ersten Gotteshäusern nur sehr unbedeutende Reste bis auf unsere Tage erhalten haben, zu ihnen gehört die Synagoge in Kefer-Birim in Obergaliläa, ein Werk aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert. Es ist nur ein kleines Gebäude von 14 m Länge und 18 m Breite. Die vorhandenen Reste der südlichen Front (Fig. 16 nach Zeitschr. d. Oesterr. Ing. u. Arch. Ver. a. a. O.) lassen erkennen, dass die römische Baukunst ihre Formen hergeliehen hat. Die Einfassungen der Eingänge erscheinen recht plump. Davor legte sich eine Ideine Säulenhalle, deren Formen, nach den vorhandenen Resten zu urteilen, gleichfalls schwere Profile aufweisen. Immerhin ist dies Vorhandensein jüdischer Gebethäuser aus jener Zeit von höchstem Interesse. Hier müssen auch die Karäersynagoge in Jerusalem, die sog. Eliassynagoge in Damaskus, die Grabessynagoge des Rabbi Simeon ben Jochai in Meron bei Safed, ferner die Synagogen zu Nebratein und Teil Hum genannt werden. Das Mittelalter. Wie gesagt, es sind weniger die Tempel Jerusalems als die zuletzt genannten Qpttesgebäü(fer welche den Synagogenbau des Mittelalters beeinflusst haben. Schon der bereits, erwähnte Umstand, dass Tieropfer ausgeschlossen waren, erforderte eine andere, sozusagen mehr populäre Grundrissgestaltung, Wenn wir uns nun aber nach Synagogenbauten des Mittelalters in Deutschland ■ und anderwärts umschauen, so ist die Ausbeute n;ur o-anz gering. Aus dem oesterr.-ungarschen Fig. 16. Die Reste der Synagoge in Kefer Birim. (Nach Fleischer.) Ländergebiet erwähnen wir die Synagoge zu. Nikolsburg33). Dieselbe zeichnet sich gerade nicht hinsichtlich einer harmonischen Grundrisslösung besonders aus, aber sie bleibt doch immerhin als ein seltenes Beispiel älteren Synagogenstils bemerkenswert. Die künstlerische Ausbildung, des Männerraumes erscheint mehr abgerundet, während die Frauensynagoge höchst ungleich und winkelig entwickelt ist. Es mag gleich hier bemerkt werden, dass die Scheidung der Männer und Frauen, wie schon im Salomonischen Tempel, durchweg auch im Synagogenbau der Neuzeit durchgeführt ist, abge- 33) Zeitschrift des Oester. Ingenieur- und Architekten- Vereins 1894, S. 255.

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