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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 737 - 738

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-10-01
Page
Seite 737 - 738 (sequence 3)
Language
German
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737 Professor Dr. D. Joseph: Stiftsliütte, Tempel- und Synagogenbauten. 738 -während der Talmud hier mehr das Richtige zu treffen scheint. Auf jeden Fall hat die Gesamthöhe des Tempelhatfses die des alten Gebäudes um vieles übertroffen, als solche kann man *60 Ellen annehmen. Die Höhe der Vorhalle belief sich auf 100 Ellen. (Fig. 15.) Am.Thore dieser Vorhalle sah sich Herodes ■gemüssigt, den Namen Agrippas und einen goldenen Adler anzubringen. Ein anderes Thor, 20 Ellen hoch und 10 Ellen breit, führte von der Vorhalle in das Heilige, wo auch im Hero- •dianischen Tempel die oben genannten Utensilien, als Leuchter, Schaubrottisch, Rauchopferaltar, aufgestelltwurden. Das Allerheiligste enthielt nur den •drei Zoll aus dem Boden hervorragenden Stein, der die Stelle angab, wo ehedem die Bundeslade schieden den Raum vom Heiligen, fand sich ein Oberraum, der war, um die Höhe des w%^^&ffl®ßg^pm ■■■^■■■■■■■■■■-■■■■■■■■■■■■■■■■■■i Fig\ 15. k. gestanden hatte. Zwei Vorhänge eigentlich •gelegt Darüber benur anum die Jtioüe des Ganzen im äusseren respektabler erscheinen zu lassen. Während der grosse äussere Vorhof auch den Fremden zugänglich war, durften in das innere Heiligtum nur die Israeliten selbst eintreten. Ein drei Ellen hoher Zaun bezeichnete die . Scheidegrenze, Soreg oder Tryphaktos; an den den Thoren . gegenüberliegenden Eingängen befanden sich Warnungstafeln, deren eine wieder aufgefunden wurde. Der griechische Text lautet übersetzt: Kein Fremder möge sich unterstehen, über den Tryphaktos und die Einfassung, welche das Heiligtum umgeben, hinaus vorzudringen. Derjenige, der innerhalb desselben betroffen wird, ist der Todesstrafe verfallen. Der Brandopferaltar hatte an seiner Basis 32 Ellen. An der Nordseite befand sich der Platz zum Schlachten der Opfertiere. Priestervorhof und Frauenhof waren gleichfalls wie der äussere Vorhof mit Säulenhallen -und Galerien umgeben. Von den letzteren aus wohnten die Frauen den Opferhandlungen bei, soweit dies . durch das an Sonn- und Festtagen geöffnete grosse Nikanor-Thor möglich war. Von der glanzvollen inneren Ausstattung giebt uns gleichfalls Josephus31) in seinem Werke über den jüdischen Krieg eine anschauliche Schilderung. Wie Poesie klingt der Bericht, „dass das gesamte Aeussere in reichster Vergoldung strahlte und Auge und Herz zur Bewunderung hinriss. Wenn die aufgehende Sonne über den Oelberg her ihre Strahlen auf die weissen Marmorhallen und die reich mit Gold verzierte Front des Tempels warf, konnte das Auge, geblendet von dem Glänze, nicht hinschauen. Von weitem aber glaubte man einen mit Schnee bedeckten Berg zu sehen".32) Doch auch dieser wunin Trümmer seiner voll- Fassade des Herodianischen Tempels (nach O. Wolff). dervolle Bau sollte nur zu bald sinken. Wenige Jahre nach ständigen Wiederherstellung wurde die Tempelburg Antonia und wenige Wochen später der Tempel selbst von Titus erobert. Der 10. Ab des Jahres 70 n. Chr. ist das Denkwürdigste des schwarzen Blattes in der Geschichte des Volkes Israel, das noch heute um den Verlust des Nationalheiligtums in Wehmut klagt. Wir werden in weiterer Folge die späteren Gotteshäuser der Juden, darunter recht beachtenswerte Werke, besprechen, die Schönheit des alten Tempels hat bisher noch keines erreicht, und sie wird, wie es scheint, auch nicht erreicht werden. Andere jüdische Gotteshäuser im Orient. Nach dem glänzenden Vorbilde des Tempels von Jerusalem wurde der Onias-Tempel zu Leontopolis bei Heliopolis in Aegypten i. J. 164 v. Chr. errichtet: derselbe war aber nur von 31) Joseph, Bell. jud. V, 11, 3. 32) Wolff, a. a. O., S. 93.

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