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Ost und West · 1901-10-01 · Heft 10 (Oktober 1901) · p. Seite 735 - 736

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Journal
Ost und West
Volume
1 (1901)
Issue
Heft 10 (Oktober 1901)
Article
Stiftshütte, Tempel- und Synagogenbauten
Date
1901-10-01
Page
Seite 735 - 736 (sequence 2)
Language
German
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735 Professor Dr. D. Joseph: Stiftshütte, Tempel- und Sjmagogenbauten. 736 die heilige Bundeslade den vornehmsten Platz des Tempels einnahm. Während mehrerer Jahrhunderte wurde nun der regelrechte Gottesdienst im Tempel abgehalten, bis der Syrerkönig Antiochus Epiphanes (175—164 v. Chr.) das Gebäude schändete, die Schätze raubte und dasselbe dem Zeus Olympios weihte. Ueber das Schicksal des entwendeten wertvollen Vorhangs am Allerheiligsten, eine Arbeit aus orientalischem, in phönizischem Purpur gefärbten Byssus, werden wir durch den griechischen Periegeten (Reisenden) Pausanias unterrichtet. Dieser erzählt, dass Antiochus einen kostbaren Vorhang dem Tempel des Zeus in Olympia als Weihegeschenk dargebracht habe. Es lässt sich wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass es sich hier um den Vorhang im Heiligtum Jerusalems handelte. Wie dann der Priester Mathatias und seine. Söhne, unter welchen sich besonders Judas auszeichnete, i. J. 164 v. Chr. die Fremdherrschatt abwarfen, ist aus [der Makkabäergeschichte zu bekannt, als dass ich nötig hätte, darauf näher einzugehen, es mag nur hier gesagt sein, dass die Makkabäer den verwüsteten Tempel wieder in Stand setzten und den Gottesdienst einrichteten. Und wiederum waren die Makkabäer die rettenden Erlöser, als Antiochus Eupator, der Nachfolger des Epiphanes in der Regierung über Syrien, auch dessen Nachfolger in der Tempelzerstörung wurde. Die Plünderungen desPompejus am lO.Tischri i. J. 63 (oder 62) v. Chr., des Crassus i. J. 56, des Herodes i. J. 37 v. Chr. (oder 35) wiederum am 10. Tischri will ich nur einer gewissen Vollständigkeit wegen notieren. Der Herodianische Tempel. Derselbe Herodes, der die Zerstörung des Tempels betrieben hatte, wurde auch der Wiedererbauer des Gotteshauses. Nach ausgedehnten Vorarbeiten wurde der Bau, wohl i. J. 18 v. Chr., begonnen, doch sei schon hier bemerkt, dass von der bisherigen Disposition im allgemeinen nicht abgewichen wurde, nur gestaltete man die neue Anlage umfangreicher und glänzender, als dies beim Salomonischen Tempel der Fall gewesen war. Was dem Tempel aber nach aussen hin ein ganz verändertes Aussehen gab, war der Umstand, dass nunmehr an den Fassaden und dem Innern griechisch-römische Formen zur Anwendung gelangten. Im Jahre 10 v. Chr. war das Werk so weit gefördert, dass die Weihe vorgenommen werdenkonnte, doch brauchte man zur vollkommenen Wiederherstellung noch 74 Jahre. Primäre- Ouellen sind vornehmlich Josephus27) und Tractat. Middoth.28) Die wesentlichsten Veränderungen des Herodesgegenüber dem alten Tempel bestehen kurz in folgendem:29) Der grosse Vorhof wurde hinsichtlich des¬ Flächeninhalts um etwa das doppelte vergrössert Er fällt ungefähr mit der Hochfläche des heutigen Haram-esch-Scherif überein. Die geringe Ausdehnung des Hügels machte riesige Substruktionen notwendig, die sich zum Teil bis zum heutigen Tage erhalten haben, so namentlich im Südwesten des Haram. )\ Die Umfassungsmauern bestanden aus gewaltigen Felsblöcken, den grossen Vorhof selbst aber zierten prächtige Säulenhallen. Am prunkvollsten war die Südseite ausgestattet, da hier die glanzvolle „Königliche Halle" angeordnet war., ein Bau, der eine Grundfläche von 270 m Länge- und 35 m Breite aufwies und dessen Architektur in korinthischer Ordnung prangte. Dieser Halle, welche durch vier Reihen Säulen in drei Gängegeteilt war, entsprachen darunter die Thoraufgänge. Der Umstand, dass diese unterirdischen Gänge mit den zugehörigen Pfeilersubstruktionen sich noch erhalten haben, gestatten im Verein mit den Schriftquellen die Rekonstruktion der Halle selbst. An allen Seiten befanden sich Thore, an manchen sogar deren mehrere; sie vermittelten den Zugang zur Stadt, der Burg Antonia, dem. Hasmonäerpalast, dem sog. Xystos-Platz u. s. w.. Soweit das äussere Heiligtum. Das innere Heiligtum mit seinen Vorhöfen, hat in den Grundmaassen nur geringe Veränderungen gegen früher erfahren, ja es wird unsberichtet, dass das Tempelhaus selbst sich wieder auf den alten Fundamenten aufbaute.30) Die Höhenmaasse des Gebäudes haben zu vielen Vermutungen Anlass gegeben. Nach Josephussteigern sich dieselben ins Ungeheuerliche,. 27) Jos. Antq. XV, 11, 3—5; Bell jud. V, 5, 1-6. 2S) Vgl. hierzu die scharfsinnigen Ausführungen des Dr. J. Hildesheimer, Beschreibung des Herodianischen Tempels im Tractate Middoth und bei Flavius Josephus, Programm des Rabbiner-Seminars pro 1876/77. 29) Cfr. Odilo Wolff, Der Tempel von Jerusalem und seine: Maasse, Graz .1887, S. 68. ™) Joseph... Antt. XV, 11, 3.

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