Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 76 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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B ü c h e r s c h a u ■immntMiHiiiiiiiuiiiitiimimiEiuiimMiiitmiiiiiitu lieh wiedergeboren — nicht hergestellt, sondern gezeugt — werden, wenn von einer dichterischen Übersetzung die Rede sein soll. Alle großen Nachdichr tungen haben dieses dämonische Geheimnis — Luthers Psalmen, Schlegels Shakespeare, Hölderlins Pindar- und Sophokles- Übertragungen; in neuerer Zeit, trotz einer Flut von Übersetzungen, nur Stefan Georges Wiedergestaltungen der „Blumen des Bösen", der Shakespeare-Sonette und der Auswahl aus Dante. Wie nur der große Dichter Herr des Verses ist, kann nur der verehrende und leidenschaftlich formende Meister der irrationalen Sprache Übersetzer sein, niemals der nur formal, d. h. verstechnisch begabte Versmacher, Dilettant; und selbst der nur schmiegsam aus zweiter Hand begabte Poet unseres besseren Durchschnitts, die Schaukai, Bethge, Hauser und andere vermögen immer nur statt eines tief lebendigen gedichteten Gebildes, welches gesetzlich ein- und ausatmet, etwas Klingendes, glatt oder stolpernd Zusammengesetztes hinzustellen, das mit dem Vorbild nur stoffliche oder in Bildern und Vokabeln sich erschöpfende Aehnlichkeit hat. Wer ganz einsehn will, was hier nur ausgesprochen werden kann, vergleiche ein beliebiges Gedicht Baudelaires mit der Nachbildung in Oesterheids kleiner Anthologie und der Übersetzung ins Deutsche durch Stefan George, 2. Gilt dies schon bei Uebersetzungen aus einer modernen europäischen Sprache in die andre, so um so mehr bei solchen aus der griechischen Antike (der Tragiker und Piatons) und im höchsten Maße bei Orientalin sehen Gedichten. Es gibt einen sehr schön zu verfolgenden Kampf um die Wiedergabe chinesischer Lyrik; es gibt nach Luther und Herder nicht eine auch nur zulängliche Übertragung aus dem Hebräischen, weil die Kenner dieser Sprache erstens lediglich die aussagende oder Gedanken ausdrückende Sprache erlernen können, und weil sie zweitens vom Wesen des Dichterischen und der gedichteten Sprache keinen Begriff haben. Diesen entnehmen sie vielmehr der ihnen verständlichsten Epigonenpoesie, dort schöpfend, wo die Dichtersprache längst von der gereimten und mit Hebung— Senkung akzentuierten Alltagssprache verdrängt worden ist — besten- und schlimmstenfalls freuen sie sich an Dichterworten Avie Seim statt Saft, 76