Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 71 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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G 1 o größten Optimismus hegen. Die Juden aller Strömungen und aller Strömungslosigkeit werden nicht nur unserem Mahnen Gehör schenken, sondern sie werden — sie tun es teilweise bereits jetzt — sogar beleidigt tun, wenn man sich an sie nicht wendet. Aber da waltet häufig nicht der gute, sondern der böse Trieb. Dunkel ahnt die satte, ruhige (und zwar nicht nur materiell, sondern auch geistig satte und ruhige) ungetaufte Juden- :heit, daß das, was darüber in Palästina im Geschehen begriffen ist, keine Kleinigkeit ist, daß es einen Einsatz des gesamten Judentums gilt, eine Aufrüttelung und Umstellung der jüdischen Seele, einen Ruck ostwärts, der für die Dauer jeden persönlich mitreißen muß. Und da wäre es ein wahres Unglück, wenn nicht die Möglichkeit bestünde, sich durch Geld von dem persönlichen Einsatz loszukaufen. Dankbar ist uns deshalb die nichtzionistische Welt, daß wir ihr das Reagieren auf die größte Aufgabe unserer Geschichte so kinderleicht machen. Denn Geld geben ist nicht nur aus Bequemlichkeit leichter, sondern auch aus prinzipiellen Gründen. Schließlich kann man beim Geben einen anderen Segen sprechen, als es die zionistischen Initiatoren s s e n iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiijiiiinii wollen. Die in tausend fremden kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zellen eingewachsene Judenschicht seufzt erleichtert auf. Mehr oder weniger Geld wird wohl gegeben werden; die Seele aber kann weiter bequem schlafen und fremde Träume träumen. Nun will ich gar nicht von der Gesinnung reden. Im Gegenteil. Ich frage gerade bei diesem Anlaß: was haben die Zionisten anderen Juden gegenüber voraus, wenn jetzt auf unseren Ruf alle, alle kommen. Daß Herr Cohn zehn Prozent seines Vermögens abgibt, ohne zionistische Gesinnung zutage zu tragen, und Herr Levy zu den zehn Prozent noch einen Schuß Gesinnung addiert, kann zwischen beiden keinen großen Unterschied machen. Bis jetzt war die Gesinnung, verglichen mit der Null jüdischer Leistung der nicht zionistisch Gesinnten, doch noch etwas. Im Augenblick aber, wo Nichtzionisten wirklich und wahrhaftig Volksnotopfer, Schulter an Schulter mit uns, zahlen, wird die kümmerliche Gesinnung nichts als eine lächerliche Prahlerei: „Wir haben es früher gesagt" oder so ähnlich. Es muß deshalb parallel mit der großzügigen Aktion für den Keren Hajessod erst recht 71