Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 69 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Glossen imiiii iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiuiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiuiiimiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiniiu tionen. Begreift man aber nicht, daß jeder, der das Judentum erkennen will, gezwungen ist, sich mit diesem Buch auseinanderzusetzen, das überreich an Wissen, überfließend an Gedanken und grandios in seiner systematischen Architektonik ist? Hier wird der Versuch unternommen, das Judentum vor der gesamten Kultur zu begründen und zu rechtfertigen; wird versucht, über alle Zufälligkeit der historischen Entwicklung hinweg das Judentum als d i e Religion der Vernunft aufzuweisen, als apriorisch notwendig und ewig wahr; hier wird das Judentum konfrontiert mit der griechischen Antike, mit der Kultur des Christentums, mit den Sphären des Schönen und des Wissenschaftlichen, und all diesen Welten gegenüber das Primat des Judentums behauptet. Und der dies tut, ist nicht ein Schriftsteller, dessen geistiger Horizont innerhalb der Grenzen des jüdischen Geistes eingespannt ist; sondern ein Denker, der vorher ein System der Philosophie aufgebaut und darin die Totalität anderer Kultur gedanklich umschlossen und durchdacht hat. Ahnt man die Bedeutung dieses Werkes, das man nicht überwertet, wenn man es an die Seite des „Moreh Nebuchim" stellt, dem es an Weite der Gedankenwelt, an Umfang der Kultursphären, mit denen es sich auseinandersetzt, noch übertrifft? Nahezu ein halbes Jahr ist seit dem Erscheinen des Buches vergangen, und die jüdische Oeffentlichkeit weiß es kaum. Die liberalen Juden haben es ignoriert, trotzdem sie doch Cohen — unberechtigterweise — als ihren geistigen Führer auszugeben pflegten. Ich verstehe, daß das Buch ihnen nicht zusagt, in dem Cohen das jüdische Gesetz als isolierenden Faktor rechtfertigt und das Recht des Judentums zur Isolierung verkündet. Die traditionellen Juden haben es ignoriert, sie, die doch an einer Erkenntnis des jüdischen Geistes mehr als andere interessiert sind; auch dies ist zu verstehen, da Cohen kein Strenggläubiger in ihrem Sinne war, vielmehr die religiösen Dogmen zu rationalisieren unternimmt. Und auch die Zionisten, die doch sonst so eifrig nach jedem Essay über das Judentum greifen, haben es ignoriert; wohl weil Cohen kein Schekelzahler war. Das ist, es sei gesagt, eine Schande. Wenn ein Schriftsteller, der gerade einen Satz aus dem Talmud gelesen und — mißverstanden hat, dank dieses Mißverständnisses ein Buch über das Judentum schreibt, 69