Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 68 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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G 1 o s s e n iHimmfiwHmiimifiiiiifiiiuuiimuiiiiiiiiiiiiim EIN BOYKOTTIERTER PHILOSOPH Vor nahezu einem halben Jahre ist ein Buch von Hermann Cohen erschienen: „Die Religion der Vernunft nach den Quellen des Judentums", 629 Seiten stark; das einzige große, systematische Buch über das Judentum. Man sollte meinen, das Buch werde in seiner ersten Auflage bald vergriffen sein. Wie arm sind wir doch an zusammenfassenden Werken über das Judentum; und wie tief ist — versichert man uns — das Interesse der jüdischen Jugend an solchen Werken. Wie leidet sie — nach ihren eigenen Aussagen — unter ihrer Unkenntnis des Judentums; und wie sehnt sie sich danach, es zu erfassen, es zu erkennen. Wenn ein Denker vom Range Cohens, zudem einer, der so ganz im Geiste des Judentums — wie er ihn auffaßte — verwurzelt war, ein großes systematisches Werk über das Judentum in die Welt sendet, müßte man nicht meinen, die jüdische Oeffentlichkeit werde es dankbar und freudig aufnehmen, gewillt an ihm zu lernen? Vor nahezu einem halben Jahre ist das Buch erschienen. Wissen weitere jüdische Kreise, auch die interessierteren, überhaupt davon; war schon irgendwo in einer jüdischen Zeitung das Buch eingehend besprochen worden? Vielleicht in irgendeiner entlegenen Stelle, die mir entgangen ist. Wahrhaft zur Kenntnis genommen hat die jüdische Öffentlichkeit noch gar nicht, daß das Buch erschienen ist. Weiß man aber, was dieses Werk bedeutet? Seit vielen Jahrzehnten wiederum ein großes umfassendes System des Judentums, aufgebaut in mächtigen Quadern von einem der großen Baumeister im Reiche des Geistes. Ich nenne nur einige der Kapitel: die Einzigkeit Gottes; die Schöpfung; die Offenbarung; die Schöpfung des "Menschen in der Vernunft; die Entdeckung des Menschen als Mitmenschen; das Problem der religiösen Liebe; die Versöhnung; die Idee des Messias und die Menschheit; Unsterblichkeit und Auferstehung; das Gesetz; das Gebet; die Gerechtigkeit; 'die Treue. Diese Ueberschriften allein tleuten schon an, was das Buch enthält und was sein Inhalt in überreichem Maße erfüllt: nichts Geringeres, wie gesagt, als ein totales System des Judentums. Es mag eigenwillig sein in vielem; man mag es ablehnen in seinen Grundkonzep- 68