Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 2 (4.1921)
- Date
- 1921-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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A r n o 1 d Z w e i g ■inimiimifiiitttmiiitiiiiiiiiiiiiititiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiniiitiiiiiiitiitttiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiifiiiiiiitiiiiiiva Kriegsausbruch, bitter not: wo aber sind die deutschen Stimmen, die sich erheben müssten? Sich unzweideutig und bei bestimmtem Anlass erheben? Alle politischen Morde in Deutschland sind vorübergezogen, aber die Intellektuellen haben sie angeschwiegen, sie und die — verzweifelt man an der deutschen Seele? — den heiligen Namen des Rechtes bewusst schändenden Gerichtsverhandlungen, die sie hinterher noch sanktionierten. Die erste Wahl zum neudeutschen Reichstag ging vor sich unter einer antisemitischen Fassade der letzten Verlogenheit: aber je öffentlicher die Schande sich gab, desto privater schämte sich der Ekel. Und Schule wie Universität, einst eine sachliche Angelegenheit, darf zur Burg des Antisemitismus von ahnungslos schwatzenden Professoren und trampelnden Studenten — zukünftigen Staatsfunktionären — entarten, ohne dass die letzten Verantwortlichen des Geistes in diesem sinkenden Lande sich dagegen laut anmelden? Als Friedrich Wilhelm Förster sein Lehramt niederlegte, schrie niemand auf! Als Nicolai, tapferer und einsamer Wille gegen den gewalttätigsten aller Apparate, von einem greisen Rhetor des feigen Vaterlandsverrats geziehen ward, unterm Jubel und auf Geheiß einer Jugend ohne Sinn für Männlichkeit, stellte sich niemand von den schaffenden Intellekten, stolz auf solche Kameradschaft, an seine Seite! Man will dies Land seinem geistigen Untergang überlassen — daran ist fast kein Zweifel: und zwar aus Gewissenhaftigkeit, aus Verwirrung, aus Scham, aus Mangel an Einsicht, Klarheit und Instinkt, aus Abscheu vor Oeffentlichkeit, aus Furcht vor der verantwortlichen Lehrerrolle, Zeugenpflicht des Geistes. 40