Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Glos schlecht junger Israeliten-Intelligenzler (und fast nur auf diese) einen tiefen Einfluß gewann und sie vom grünen, weichlichsüßen, mosaischen Liberalismus jenes hcrrenhäuslerischen Blattes weg, und in Feindschaft gegen esA zur rötlichen, konfessionslosen, teilweise ajüdischen, teilweise antijüdischen, dekadent-kaffeehäuslerischen Radikalerei führte. Das alles sind zumindest symptomatisch bedeutsame jüdische Angelegenheiten — tief traurige Komödien, über die zu schreiben, für einen, der die Wiener israelitischen, d. i. „Zeitungskultur"-Verhältnisse kennt, eine dankbare Aufgabe wäre. Hier möge von der ganzen Moriz Benediktiade nur ein winziges Ausschnittchen gebracht sein, ein kleines, an sich ganz unbedeutendes, Dokumentchen des Würdegefühls, der „Verfrorenheit" und, alles in allem, profunden Vogel-Strauß-Weisheit einer israelitischen Wclt- und Intelligenzblatt-Redaktion — und, nebenbei, ein Zeichen ihres festen Vertrauens auf das Denk-Unvermögen der Leser ihres Blattes. In der schwarz umränderten Nummer dieser Zeitung nach dem Tode ihres Herausgebers lesen wir unter der großen Überschrift: „Beileid des s e n iiiiininiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiitiw Präsidenten der Nationalversammlung anläßlich des Hinscheidens Moriz Benedikts" folgendes : „Vom Präsidenten der Nationalversammlung, Karl S e i t z, geht uns nachstehende Kundgebung zu: Sehr geehrte Redaktion! Durch das Hinscheiden Ihres Chefredakteurs und Herausgebers, dessen außerordentliche Arbeitskraft und unermüdlicher Fleiß jederzeit bei Freunden und Gegnern volle Anerkennung gefunden hat, haben Sie und Ihr Blatt einen schweren Verlust erlitten. — Ich spreche Ihnen mein innigstes Beileid aus. Seit z." Kann es eine größere Ohrfeige für den Gegner geben? Muß man das nicht über jeden halbwegs brauchbaren Ladenschwengel schreiben: „Arbeitskraft und Fleiß"? Neulich starb bei meinem Geschäftsfreunde sein langjähriger Schwerfuhrwerkskutscher, und da mußte ich in meinem Kondolenzbriefe weit Löblicheres über den verstorbenen „Schurschi" schreiben. — Fürwahr, eine grobe Brüskierung, die sogar ein auch nur halbwegs urbaner Gegner als geradezu unfein, als für ein Kondolenzschreiben an den Sohn 94