Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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G 1 o «UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIUIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIUIIIUIIIIIIUUIIII Stellung der Juden im offiziellen Leben möglich, daß die damalige österreichische Regierung mit Benedikts Berufung ins Herrenhaus unter anderem eine Konnivenz gegenüber den jüdischen Wünschen zu erweisen glaubte. Sie sah eben in ihm außer dem Einpeitscher zur Kriegsanleihe und dergleichen auch den Repräsentanten des Judentums. — Es ist aber beispielsweise bekannt, daß Benedikt wiederholt alten, gesuchten Mitarbeitern seines Blattes, die sonst über alles in der Welt und in jeder Form schreiben durften, Artikel über Judenpogrome in Rumänien und zuletzt in Horthy-Ungarn zum Beispiel zurückwies, sobald diese Aufsätze nicht liberal-weich genug gehalten waren. Auch daß er in all -den zehn Jahren der zionistischen Tätigkeit Theodor H erzls, seines eigenen Feuilleton-Redakteurs, das Wort Zionismus buchstäblich in die „Neue Freie Presse" nicht hin- -einließ und von ihm, sowie von der neuen jüdischen Bewegung überhaupt, keine wie immer geartete Notiz nahm, ist bekannt. (Es war dann tragikomisch, wie dieses Blatt nach H erzls Tode . spaltenlange Berichte über Kundgebungen ^.zionistischer Organisationen" s s e n und Vereine „zum Tode unseres Redakteurs" brachte, ohne daß der arme Leser wußte oder wissen sollte, was das Wort „zionistisch" bedeutet und was diese Organisationen überhaupt bezwecken.) Noch jetzt hat sich Benedikt in verschiedener Art bestrebt, — man muß sagen: höchst lächerlicherweise — die B a 1 f o u r sehe Deklaration und alles, was sich daran schloß, durch Verschweigen, Auslassungen und Undeutlichkeiten seinen Lesern nicht klar zum Bewußtsein kommen zu lassen. Ueberhaupt wäre über das Verhältnis, richtiger: die Verhältnislosigkeit der von der ganzen Welt als typisches Judenblatt angesehenen „Neuen Freien Presse" zu Judentum und jüdischen Fragen Vieles und Aufschlußreiches zu sagen, auch ohne die kursierenden Angaben über deren Verhältnisse mit jüdischen Bankiers, Börsianern und Schiebern zu registrieren. Wobei besonders die Erscheinung eine breitere Würdigung verdiente, wie Karl Kraus, der Wiener jüdische Satiriker und Kulturkritiker, seine journalistenvertilgende „Fackel" hauptsächlich an und gegen Moriz Benedikt und dessen Blatt entzündete, hierbei auf ein ganzes Ge- 93