Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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G 1 o s s e ii warten; eure Zeit wird kommen, wenn ihr die Wege, die insbesondere der Blau-Weiß in den ersten Jahren seiner Entwicklung gegangen ist, wieder gehen lernt, den Weg, der sich zum Ziel die Heranziehung wertvoller Menschen für unsere Bewegung gestellt hat. Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn man den Menschen die Größe unserer Idee in großen, klarer* Zügen vorhält. Zu einer politischen Betätigung im üblen Sinne seid ihr zu schade, und zu einer guten Politik seid ihr noch nicht reif. Darum noch einmal: Lernet warten. Sichron-Jakob Leib Lichtinger ZU MORIZ BENEDIKTS TOD Der Tod Moriz Benedikts, des Herausgebers und Chefredakteurs der Wiener „Neuen Freien Presse" und Mitgliedes des gewesenen Herrenhauses ist eine jüdische Angelegenheit, insofern die res israeliticae leider noch immer der Welt als res judaicae erscheinen. Und Moriz Benedikt war im gewesenen großen Oesterreich eine der prononciertesten Erscheinungen des deutschen Israelitentums, das sich freilich als israelitisches Deutschtum falschmeldete. Diese Israeliten hatten ein souveränes, freies, richtiger: zügelloses Königreich: den Leitartikel. König Benedikt schrieb da in seinem fettigen und zugleich blinzelnden, würdig-abgeklärten Stil je nach der Jahreszeit u. a. über die Weihnachtsglocken von Bethlehem, dem Stern der heiligen drei Könige, die Weihe des „Parzival", die fromme Inbrunst Franzens von Assisi, die Gefühle der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Bischof N. oder NV und noch dergleichen Dinge, die seinen treuen Lesern aus der Manufaktur- und Lederbranche in der Schiff- und Gonzagagasse mächtig am Herzen .Hegern — nur nicht über Jüdisches! In diesem Blatte spiegelte sieb getreulich das essentielle Verhältnis des Israelitentums zu allem Jüdischen: ein Verhältnis, welches das Bestreben zum Mittelpunkt hat, möglichst, möglichst wenig an das Judentum erinnert zu werden und ebensowenig die Welt daran erinnern zu lassen. Und doch machte es die Verzerrtheit der