Freie zionistische Blätter
- Journal
- Freie zionistische Blätter
- Volume
- 1 (1921)
- Issue
- 1 (1.1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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G 1 o sen, daß auch die Reden und Aussprachen sich nach dieser Richtung hin bewegt hätten. Das äußere Kennzeichen dieses Delegiertentages war jedoch der Mangel an Stimmung. Es war wohl eine gewisse Kampfstimmung im allgemeinen zu bemerken, schon mit Rücksicht auf die vorhergegangene Diskussion in der „Rundschau" und die Äußerungen der Gruppe Weil- Wagner. Diese Kampfstimmung explodierte aber nur bei den Personenkämpfen. Die große Aussprache jedoch, die Auseinandersetzung mit diesem baalhabatischen Zionismus ist nicht gekommen. Woran das lag, hier im einzelnen zu untersuchen, würde zu weit führen; es würde sich dabei zeigen, daß z. B. bei einem großen Teil der Jugend ein gewisser Mangel an Interesse gegenüber der jüdischen Masse und dem realen jüdischen Leben vorhanden ist, daß die Jugend an einem gewissen Punkt sich festlief, und man könnte z. B. nachweisen, daß insbesondere im Blau-Weiß, dieser Kerntruppe der zionistischen Jugend in Deutschland, seit einer gewissen Zeit ein innerer Fortschritt nicht mehr stattgefunden hat. Aber was vor allem auf diesem Delegiertentag sich gezeigt hat, ist, daß die Jugend nicht ims s e n stände ist, eine fruchtbare Kritik zu üben. Fruchtbare Kritik, dies bedeutet, daß, wenn man die Möglichkeit hat, selbst aktiv irgendwie einzugreifen, es dann nach neuen großen Gesichtspunkten geschieht und man rieht in dieselben Fehler verfällt, die diejenigen gemacht haben, die man bis jetzt kritisiert hat. Schon, daß die Jugend mit einer großen Anzahl von Delegierten auf der Tagung erschienen ist, daß sie im ersten Anlauf die Mehrheit des Delegiertentages bekam, ward ihr zum Verhängnis. Aber das hätte man wenigstens von den Führern der Jugend erwarten müssen, daß, trotzdem sie die Mehrheit hatten, sie auf eine prinzipielle geistige Auseinandersetzung nicht verzichten würden. Und was hat diese Jugend auf dem Delegiertentag mit ihrer Mehrheit angefangen? Ihr ganzer Kampf galt nur der Besetzung einiger Stellen in der Leitung, und zu den andern Dingen schwieg sie. Und wo Vertreter dieser Jugend das Wort ergriffen haben (mit Ausnahme der Referate von Blumenfeld und Moses), haben sie ihren Standpunkt mit einer Demagogie vertreten, die wir bei andern Zionisten aufs schärfste hätten bekämpfen müssen. Wir müssen leider konstatieren, daß 89