Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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- 26 — sogenannten allgemeinen Bildung beschränken dürfen; uns ist ein weiteres Ziel gesteckt, das in kennzeichnender Kürze ausgesprochen wird durch die Worte "px uy mm noSn nc\ Jede andere Schule hätte Euch eben so gut wie unsere mit den erhabensten Schätzen der deutschen und fremdländischen Literatur, mit den gesicherten Ergabnissen der Naturwissenschaften und der Geschichtsforschung bekannt machen können, und Ihr hättet nebenher in besonderen Veranstaltungen auch noch jüdischen Religionsunterricht genießen können, Veranstaltungen, wie sie als Notbehelf unsere Glaubensbrüder in der Ueberzahl der Städte unseres Vaterlandes treffen müssen, weil sie nicht in der Lage sind, das Beste zu bieten, was ja in Sachen der Erziehung eben nur gut genug ist. Es war aber Euren Eltern eine heilige Herzenssache, dafür zu sorgen, daß ihre Kinder wenigstens das erste Jahrzehnt der Geistesbildung in einer Atmosphäre verbringen, die durchweht ist von echt jüdischer Welt- und Lebensauffassung, aufgrund deren die innigste Vermählung wahrhaft jüdischer Bildung mit den Schätzen anderer Kulturen vollzogen ist. Sie sind eben von der felsenfesten Ueberzeugung durchdrungen, daß der Sache der ewigen Wahrheit, die das Judentum als kostbarstes unveräußerliches Kleinod in sich birgt, mit jedem Kundigen ein Bollwerk gegen die Ansteckung leichtfertig schwatzender Torheit erwächst. Bei uns sollt Ihr lernen, eigene Einsicht zu nehmen in die unvergleichlichen Schätze unseres heiligen Schrifttums, damit Ihr neben der ahnungsvollen Kenntnis von a'rnrai eva: min auch einen ns Sj?ai? mwi n"H mitnehmet, auch einen Hauch verspüret von den geistesschärfenden nm tau M3tnf von den streng logischen Entwicklungen in den Disputationen der jnmotn a-«;n, von dem hohen Seelenadel, der uns aus den Meinungsäußerungen der *ai SSn rvai *kö# rra S«ia^i an ty-'pS wy\ pnv entgegenleuchtet, kurz, damit Ihr zu den Füßen aller der großen Geister des göttlichen Wortes und des jüdischen Gedankens sitzet, die Euch zu den lichten Höhen ewig frisch lebendiger jüdischer Wahrheit geleiten. Denn nimmermehr könnte ein sogenannter Religionsunterricht, der sich mit einem bißchen wein, einem bißchen nScn und etwas biblischer Geschichte begnügt, Euch zu Juden im umfassenden Sinne des Wortes heranbilden. Ja, selbst ein vollständiger "pn -Unterricht würde Euch nur Eure Stellung als Juden im Kreise der Menschheit und ihrer Geschichte begreifen lehren und Euch höchstens dazu begeistern, die jüdische Aufgabe mit aller Hingebung zu üben ohne Rücksicht auf die Opfer, Entbehrungen und Entsagungen, die ihre Erfüllung Euch auferlegt. Erst die Bekanntschaft mit der Denkungsweise und den erhabenen sittlichen Anschauungen unserer o'öan, wie sie uns durch eingehende Beschäftigung mit der o^att1 vermittelt wird, macht das Gelernte fruchtbar für die praktische Betätigung im Leben und befähigt Euch, aus der Tiefe des leider so weit verbreiteten p«n ay-tums emporzusteigen zur Stufe des gebildeten rabbinischen Juden. Erfüllt von der höchsten Achtung vor der kristallenen Klarheit des Geistes und dem sittlichen Adel des Charakters unserer mnioai o*wn werdet Ihr, erleuchtet von dem Strahlenglanze ihrer von anderen kaum geahnten, geschweige denn erreichten Redlichkeit und Treue, den Rücken kehren allen Verleumdern und Entstellern ihrer ehrwürdigen Persönlichkeit und ihres selbstlosen, von den höchsten Idealen erfüllten Strebens und Wirkens. Diese richtige Einstellung in die Wertschätzung der hohen geistigen Güter unserer klassischen jüdischen Literatur hättet Ihr auf einer anderen Schule nimmermehr gewinnen können. Dort treten die Anforderungen des künftigen bürgerlichen Berufs als alleinberechtigte so stark in den Vordergrund, und die auf ihn vorbereitenden allgemeinen una besonderen Kenntnisse fordern so ausschließlich ihr Recht, daß Zöglinge jener Anstalten