Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1915-1926
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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- IRI
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— 24 — biner des Vereins zur Wahrung der Interessen des orlhodoxen Judentums in der Provinz Westfalen, bis ihm im Jahre 1901 die Leitung unserer Anstalt übertragen wurde. Hier fand er auch die Muße zu literarischer Betätigung auf den verschiedenen Gebieten seines Studiums. Während seine Inauguraldissertation, aufgrund deren die Universität zu Halle ihm die philosophische Doktorwürde verlieh, dem Gebiete der höheren Mathematik angehört, behandelt eine 18 Jahre später verfaßte Arbeit ein Thema der Elementarmathematik. Es ist dies die deutsche Ucbersetzung und erste Herausgabe des 3cnn niyyo isd einer Praxis des Rechnens, die ein unter dem Namen Ralbag bekannter jüdischer Gelehrter von umfassendem Wissen vor 600 Jahren in Avignon verfaßt hat. Aber auch das Gebiet der biblischen Wissenschaft hat der Verblichene als Direktor nicht brach liegen lassen. Das so rätselreiche Buch nSnp lockte ihn zu eigener Uebersctzung und besonderem Kommentar. Ein ebensolcher zu den 12 kleinen Propheten wie auch zu nrx und zu n*$tr harrt noch der Drucklegung. Alle diese Werke, Früchte seiner für die Wissenschaft begeisterten und begeisternden Lehrtätigkeit, erschöpfen aber keineswegs seine Geistesarbeit. Nebenher entfaltete er eine ausgedehnte Hilfsarbeit in der Begründung und Förderung der hiesigen jüdischen literarischen Gesellschaft und ihrer Jahrbücher. Ganz besonderes Interesse schenkte er den anerkennenswerten Arbeiten Halevys, eines modernen Historikers der nachbiblischen und talmudischen Zeit, dessen Hauptwerk orvtmnn nnn unter seiner tätiger Mitwirkung Von Rabbiner Kottek für eine in deutscher Sprache verfaßte jüdische Geschichte nutzbar gemacht wurde. Auch der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer verdankt seine Blüte der rastlosen Arbeit des Entschlafenen. Das Bild, das ich von unserem Direktor zu zeichnen versucht habe, würde der vollen Abrundung ermangeln, wenn ich nicht auch die rein menschlichen Züge hervorhöbe, die dieses Gelehrtenantlitz zierten. Ein freundlicher, wohlwollender Lehrer seinen Schülern, ein stets hilfsbereiter Berater ihrer Eltern, ein gastfreundlicher Wirt allen denen,, die seine Schwelle betraten, ein abgeklärter Philosoph von optimistischer Lebensauffassung und unerschütterlichem Gottvertrauen, trug er die Wechselfälle des Lebens, die auch ihm nicht ganz erspart geblieben sind, mit jener klassischen Atharaxie, die das kennzeichnende Merkmal einer in sich gefestigten Persönlichkeit, eines standhaften Charakters ist. So ist er von uns geschieden nach einem arbeitsreichen Leben rastlos aufreibender und gewissenhafter Pflichterfüllung im Dienste thoratreuer Menschenbildung. Mit seiner trauernden Witwe, mit seinen ach so früh verwaisten Kindern empfinden wir die gähnende Tiefe der Kluft, die sein allzufrüher Heimgang in ihren trauten Familienkreis gerissen hat. Wenn etwas geeignet ist, heilenden Balsam aufrichtenden Trostes in ihr wundes Herz zu träufeln, so ist es das Bewußtsein, daß unsere ganze Schulgemeinde und mit ihr weite Kreise gleichgesinnter Glaubensgenossen ihren Schmerz aufrichtig teilen. Ihr aber, meine lieben Schüler und Schülerinnen, werdet dem selig Entschlafenen nur dann den wohlverdienten Zoll tiefster Dankbarkeit entrichten, wenn ihr in jeder Lage des Lebens mit der gleichen unverrückbaren Treue und Standhaftigkeit euch zu den religiösen und sittlichen Grundsätzen bekennen werdet, nach denen er Euch zu unterrichten und zu erziehen bestrebt war. So werdet Ihr allezeit sein Andenken hoch in Ehren halten, auf daß auch an ihm das Abschiedswort sich erfülle nanaS pny nar „das Andenken des Gerechten ist selbst ein Segen l" —-